Studie: Gründächer können Abflussspitzen bei Starkregen deutlich reduzieren
Gründächer können einen erheblichen Beitrag zur Regenwasserbewirtschaftung und zur Entlastung der Kanalisation leisten. Wie stark sie Niederschlagswasser zurückhalten und den Abfluss verzögern, hängt allerdings wesentlich vom jeweiligen Dachaufbau ab.
Zu diesem Ergebnis kommt das abgeschlossene Forschungsprojekt "MaNuGrün", in dem zehn unterschiedliche Dachsysteme in insgesamt 222 Starkregenversuchen untersucht wurden. Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts errichteten die Partner in Leipzig eine Versuchsanlage mit acht marktüblichen Gründachsystemen sowie einem Kiesdach und einem konventionellen Dach. Zwischen Juni und September 2025 wurden Starkregenereignisse unterschiedlicher Intensität simuliert. Die Versuche umfassten Niederschläge mit statistischen Wiederkehrzeiten von einem bis zu 100 Jahren. Zusätzlich wurden unterschiedliche Ausgangszustände der Dachsysteme berücksichtigt.
Abflussspitzen um bis zu 90 Prozent reduziert
Die Ergebnisse zeigen, dass sämtliche untersuchten Gründächer die Abflussspitzen gegenüber dem konventionellen Dach und dem Kiesdach deutlich reduzieren konnten. Besonders leistungsfähig erwies sich ein intensives, gedrosseltes Gründach. In einem der untersuchten Szenarien wurde eine Verringerung der Abflussspitze um rund 90 Prozent sowie eine Verzögerung des Abflussmaximums um etwa 20 Minuten gemessen.
Messdaten verbessern Kanalnetzmodellierung
Ein weiteres Ergebnis betrifft die Planung von Entwässerungssystemen. In gängigen Kanalnetzmodellen wird die Wirkung von Gründächern bislang teilweise stark vereinfacht berücksichtigt. Dadurch können die tatsächlichen Abflüsse nach Angaben der Projektpartner in den untersuchten Fällen um bis zum Achtfachen überschätzt werden.
Auf Grundlage der Messdaten entwickelte die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) einen Modellansatz, der Speicher-, Abfluss- und Verdunstungsprozesse von Gründächern realitätsnäher abbildet.
Handlungsleitfaden für die kommunale Praxis
Um die Erkenntnisse für die Planung nutzbar zu machen, hat das Bildungs- und Demonstrationszentrum Dezentrale Infrastruktur (BDZ) einen Handlungsleitfaden für Kommunen, Gemeinden und Planungsbüros erstellt. Dieser vergleicht das Abflussverhalten unterschiedlicher Dachsysteme und ordnet sie nach ihrer Rückhalte- und Verzögerungswirkung ein.
An dem Forschungsprojekt waren neben dem BDZ und den Leipziger Wasserwerken auch die HTWK Leipzig, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Forschungs- und Transferzentrum Leipzig sowie die Stadtentwässerung Dresden beteiligt.
Webcode
20261028_003
GFA News bei Google bevorzugen
Fügen Sie GFA News als bevorzugte Quelle hinzu und lassen Sie unsere Fachmeldungen in der Google-Suche stärker hervorheben.