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Neue Datenplattform überwacht vier Millionen arktische Seen

Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) hat mit "Lost Lakes" eine neue Datenplattform aufgebaut, die Veränderungen von rund vier Millionen Thermokarstseen in der Arktis nahezu in Echtzeit erfassen. Forschende analysieren mithilfe von Satellitendaten, wie sich die Wasserflächen verändern. Die Auswertungen bereiten Grund zur Sorge.

Thermokarstseen sind flache Gewässer in Permafrostgebieten, die entstehen, wenn eisreicher Dauerfrostboden auftaut, der Boden einsackt und sich die Senken mit Schmelz- oder Regenwasser füllen. Die neuen Ergebnisse offenbaren ein erschreckendes Bild: Seit 2016 haben knapp 10 000 Seen erheblich an Fläche verloren oder sind ganz verschwunden. Ursache ist das Auftauen des Permafrosts. Wird der Untergrund oder das Ufer instabil, können Seen innerhalb weniger Stunden auslaufen. Besonders viele solcher Ereignisse registrierten die Forschenden in den Sommern 2018, 2020 und 2022.

So sind beispielsweise im Winter 2017/2018 insgesamt 192 Seen vollständig oder teilweise ausgelaufen – fast doppelt so viele wie in den bisherigen Rekordjahren 2005 und 2006. „Der Nordwesten Alaskas ist stark von sich verändernden Klimamustern betroffen, wobei in den letzten Jahren neue Höchstwerte bei Temperaturen und Niederschlägen verzeichnet wurden. Auch in diesem Jahr haben wir schon ein paar auffällige Seen beobachtet, die gerade dabei sind zu verschwinden”, gibt Permafrostforscher Dr. Ingmar Nitze vom AWI in Potsdam an.

Die Entwicklung hat auch Folgen für die Wasserversorgung. In einigen arktischen Gemeinden sind die Seen eine wichtige oder sogar einzige Trinkwasserquelle. "Lost Lakes" soll daher auch lokalen Gemeinden dienen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Hochaufgelöstes Luftbild (mit Höhenmodel überlagert) eines kürzlich ausgelaufenen Sees mit sichtbaren erodierten Eiskeilpolygonen und dem Ablaufkanal (oben rechts).
Hochaufgelöstes Luftbild (mit Höhenmodel überlagert) eines kürzlich ausgelaufenen Sees mit sichtbaren erodierten Eiskeilpolygonen und dem Ablaufkanal (oben rechts). Quelle: Ingmar Nitze Copyright: Alfred-Wegener-Institut / Ingmar Nitze

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