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EU-Meeresschutz: Rechnungshof fordert wirksamere Schutzmaßnahmen

Trotz formaler Schutzziele nehme die biologische Vielfalt in den europäischen Gewässern weiter ab, da es an der praktischen Umsetzung fehle. So eine der Aussagen beim englischsprachigen Pressebriefing des Europäischen Rechnungshofes.

Die Ausweisung von Meeresschutzgebieten allein reicht nicht aus, um marine Ökosysteme wirksam zu schützen. Darauf hat der Europäische Rechnungshof bei der Vorstellung eines Sonderberichts zum Schutz europäischer Meeresgebiete am 26. Oktober 2026 hingewiesen. Die Ergebnisse wurden von Iliana Ivanova, Mitglied des EuRH, sowie Vertretern des Prüfungsteams vorgestellt.

Im Mittelpunkt des Berichts stehen die praktische Umsetzung von Schutzmaßnahmen, eine wirksame Überwachung und die kontinuierliche Überprüfung ihrer ökologischen Auswirkungen. Die Prüfer fordern unter anderem:

  • Angepasste Fischereipraktiken: Schädliche Aktivitäten müssen in den ausgewiesenen Zonen konsequent eingeschränkt werden.
  • Moderne Kontrollen: Der Einsatz digitaler Überwachungssysteme soll illegale oder schädliche Nutzungen aufdecken.
  • Akteursbeteiligung: Eine stärkere Einbindung der betroffenen Akteure vor Ort ist für den Erfolg der Maßnahmen entscheidend.

Der Rechnungshof betont zudem die Bedeutung verlässlicher Finanzierungsstrukturen und transparenter Entscheidungsprozesse. Erfolgreiche Pilotprojekte müssten künftig stärker in die reguläre Bewirtschaftung und Kontrolle von Meeresschutzgebieten überführt werden. Das langfristige Ziel sei es, ökologische Schutzanforderungen und wirtschaftliche Interessen der Küstenregionen nachhaltig miteinander zu vereinbaren.

Der BUND kommentiert den Sonderbericht durch Isabelle Maus, Expertin für Meeresschutzgebiete beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, wie folgt: „Der Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs zeigt: Zuhause bleiben die selbst gesteckten Ziele derweil unerreicht. Zwar sind 45 Prozent der deutschen Nord- und Ostsee offiziell unter Schutz gestellt, doch wirksamer Schutz sieht anders aus. Schutzmaßnahmen gleichen hier einem Flickenteppich. (...) Dieser halbherzige Ansatz führe nicht zu besserem Schutz der artenreichen Lebensräume.“

Der EU-Schutzstatus in Zahlen

Die Meeresfläche der EU ist mit rund fünf Millionen Quadratkilometern größer als deren gesamte Landmasse. Obwohl das politische Ziel der EU vorsieht, bis 2030 mindestens 30 Prozent dieser Gewässer zu schützen, stagniert der reale Anteil laut Europäischem Meerespakt aktuell bei lediglich 13,7 Prozent. Der Bericht des Rechnungshofs erhöht damit den Druck auf den für Ende 2026 erwarteten European Ocean Act der EU-Kommission.

Der Europäische Rechnungshof ist eines der sieben offiziellen Organe der Europäischen Union und hat seinen Sitz in Luxemburg. Er fungiert als unabhängige externe Rechnungsprüfungsstelle der EU.

(Quelle: Europäischer Rechnungshof, Sonderbericht zum Schutz europäischer Meeresgebiete vom 26. Oktober 2026.)

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