Aquathermie: Flüsse und Seen könnten deutlich mehr Wärme liefern
Flüsse und Seen besitzen ein weitgehend ungenutztes Potenzial für die klimafreundliche Wärmeversorgung privater und gewerblicher Gebäude. Die Nutzung dieser Oberflächengewässer als Energiequelle wird fachsprachlich als Aquathermie oder Gewässerthermie bezeichnet. Flüsse und Seen können einen deutlich größeren Beitrag zur Wärmeversorgung leisten als bislang. Das zeigt ein Gutachten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu).
Das ifeu sieht bis 2030 ein Potenzial von mindestens 2,5 Terrawattstunden Wärme pro Jahr aus Aquathermie. Bis 2040 könnte sich die Wärmeerzeugung mindestens verdoppeln. Gewässer nehmen durch Sonneneinstrahlung, Niederschlag und Grundwasserzuflüsse kontinuierlich Wärme auf und speichern sie. Über Gewässerpumpen kann diese Energie nutzbar gemacht werden. Besonders in Verbindung mit Wärmenetzen sieht das Gutachten Potenzial.
Aquathermie in der kommunalen Wärmeplanung
Obwohl das Potenzial enorm ist, wird die Aquathermie in der Praxis der kommunalen Wärmeplanung gerade erst flächendeckend entdeckt. In den bereits vorliegenden kommunalen Wärmeplänen macht Aquathermie im Schnitt erst rund 8 Prozent der zukünftig geplanten Erzeugung in Wärmenetzen aus. Das ifeu hat die vorliegenden Wärmepläne in Baden-Württemberg ausgewertet. 245 Wärmepläne sind bereits abgeschlossen, mehr als 200 weitere in Erstellung. In Baden-Württemberg sind bisher nur wenige Anlagen in Betrieb. In Mannheim versorgt beispielsweise eine Anlage mit 20 MV rund 3 500 Haushalte mit Wärme aus dem Neckar.
Umwelt- und Energieministerin Thekla Walker sieht in der Aquathermie eine große Chance für die Wärmewende: „Die Zukunft der Wärmeerzeugung fußt auf erneuerbaren Energien. Flüsse und Seen sind regionale, fast ganzjährig verfügbare Wärmequellen, die wir deutlich stärker als bisher nutzen können. Aquathermie kann insbesondere in Verbindung mit Wärmenetzen ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche, bezahlbare und sichere Wärmeversorgung sein.“
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