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Abwasserwärme soll Gelsenkirchener Wohnquartier versorgen

In Gelsenkirchen soll künftig Wärme aus dem Abwasserkanal am Holzbach für die Energieversorgung der Eichkampsiedlung genutzt werden. Dazu werden Wärmetauscher in den unterirdischen Kanal eingebaut. Das Projekt setzen die Emschergenossenschaft, ihre Tochtergesellschaft Betrem und die Energie Service Plus (ESP), eine Tochter der LEG, gemeinsam um.

Duschen, Kochen, Putzen – alltägliche Vorgänge, bei denen jedes Mal Abwasser anfällt. Was dann in den unterirdischen Kanälen verschwindet und am Ende in der Kläranlage landet, ist weit mehr als ein Abfallprodukt: Der stetige Strom an Abwasser ist besonders aufgrund seiner konstant hohen Temperatur eine verlässliche Energiequelle. Bisher spielt Abwasser in der öffentlichen und politischen Debatte zur Energiewende leider immer noch eine untergeordnete Rolle. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Abwasser wird es immer geben. Es ist eine lokale, sichere, regenerative und langfristig verfügbare Energiequelle und unkompliziert nutzbar.

„Die Wärmewende beginnt nicht immer mit einer neuen Energiequelle, sondern oft mit einem neuen Blick auf vorhandene Infrastruktur. Mit der Nutzung der Wärme aus dem Abwasser erschließen wir für die Eichkampsiedlung eine lokale und verlässlich verfügbare Energiequelle. Gemeinsam mit der Emschergenossenschaft und Betrem bringen wir damit innovative Technik in die Praxis und schaffen eine wichtige Grundlage für eine klimafreundlichere Wärmeversorgung unserer Mieterinnen und Mieter“, so Joachim Ditzen, Geschäftsführer der ESP. Für Dagmar Dörtelmann, Sprecherin der Geschäftsführung der Betrem GmbH, ist das Kooperationsprojekt eine spannende und konsequente Ergänzung bereits umgesetzter und in Umsetzung befindlicher Vorhaben: „Die Aquathermie ist gerade für Bestandsquartiere eine sehr gute Option für eine moderne und nachhaltige Wärmeversorgung. Das Projekt soll der Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer sein, mit denen wir die Abwasserwärme im Einzugsgebiet von Emschergenossenschaft und Lippeverband ausrollen.“

Übrigens: In Frankreich ist die Aquathermie bereits eine gängige Technologie. Der Elysée-Palast (Sitz des französischen Präsidenten), der Senat sowie das Gebäude der Assemblée Nationale (Nationalversammlung) werden unter anderem auch mit aus dem Pariser Abwasserkanalnetz gewonnener Wärme geheizt. In Deutschland fließt täglich eine gigantische Menge Abwasser durch hunderttausende Kilometer Kanalnetz, das bisher weitgehend ungenutzte Restwärme enthält. Mit dieser Restenergie könnten in Deutschland 4 bis 12 Millionen Menschen klimafreundlich heizen.

Ein Blick in einen Abwasserkanal der Emschergenossenschaft. Abwasser ist konstant warm und eignet sich daher bestens als Energielieferant. Bild: Rupert Oberhäuser/EGLV

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