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50 Jahre Ruhrgütebericht – 50 Jahre erfolgreicher Gewässerschutz

Der Ruhrverband und die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR) haben Mitte September die Jubiläumsausgabe des Ruhrgüteberichts präsentiert. Seit fünf Jahrzehnten informiert der Ruhrgütebericht über die Entwicklung der Ruhr, Anlass zur Veröffentlichung des ersten Ruhrgüteberichts war die 1973 erschienene Denkschrift „Die zunehmende Gefährdung der Trinkwasserversorgung aus der Ruhr”. Damals war die Ruhr hinsichtlich der Entnahmemengen und der Wasserqualität an ihrer Belastungsgrenze. Die ersten Ruhrgüteberichte beschrieben die Ruhr als „hocheutrophes Gewässer mit entsprechenden Sekundärverunreinigungen”. Neben dem Phosphatgehalt standen die Stoffe Mangan, Ammonium und Cadmium im Fokus. Heute ist die Situation deutlich verbessert, die Ruhr ist ein Gewässer mit bester Qualität für die Natur und Basis für die Trinkwassergewinnung für 4,6 Millionen Menschen. Ein Blick zurück. Im zweiten Jahrzehnt, 1983 bis 1992, stand vor allem die deutliche Verbesserung der Ruhrwassergüte im Fokus. Die Cadmiumbelastung sank um 90 Prozent. Die Radioaktivität, die zu diesem Zeitpunkt bereits stark rückläufig war, wurde allerdings durch den Reaktorunfall in Tschernobyl wieder zu einem Thema. Problematische Entwicklungen zeigten sich beim Nitratgehalt sowie bei dem Totalherbizid Diuron. Diese Belastungen sind stark zurückgegangen und stellen heute keine Herausforderung mehr da. 1991 startete der Ruhrverband mit einem Ausbauprogramm für die Ertüchtigung der Kläranlagen im Verbandsgebiet, das bis 2005 dauern und 1,6 Milliarden Euro kosten sollte. Durch den Bau von Reinigungsstufen zur Entfernung von Phosphor und Stickstoff auf allen Kläranlagen wurden die Nährstoffgehalte der Ruhr deutlich gesenkt. Heute sind Gewässer wieder in einem guten bis sehr guten stofflichen und saprobiellen Zustand. Im Jahrzehnt 1993-2002 ging dann die Schwermetallbelastung deutlich zurück. Heute spielen sie bis auf eine geologisch bedingte Grundbelastung keine Rolle mehr. Dafür rückten synthetische Komplexbildner und Arzneimittelrückstände als neue Substanzgruppen erstmals in den Fokus. Zeitgleich wurden durch neue Analysenmethoden erhebliche Fortschritte insbesondere bei den Nachweisgrenzen erzielt. Im Jahrzehnt 2003-2012 erhielten durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie gewässerökologische Aspekte einen deutlich höheren Stellenwert. Im Jahr 2006 wurde erst-mals PFT im Einzugsgebiet der Möhnetalsperre nachgewiesen. In der Folge wurden verschiedene Projekte zur weitergehenden Aufbereitung in den Wasserwerken und zur weitergehenden Abwasserreinigung auf Kläranlagen initiiert. Die PFT-Belastung der Ruhr ist heute wieder äußerst gering. Das Jahrzehnt 2013-2022 war das trockenste und abflussärmste der letzten 50 Jahre, weswegen seit 2018 jedes Jahr der Mindestabfluss auf Antrag des Ruhrverbands reduziert werden musste. Angesichts dieser spürbaren Effekte des Klimawandels hat der Ruhrverband seinen Beitrag zum Klimaschutz intensiviert und sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2024 genau so viel elektrischen Strom aus erneuerbaren Energien selbst zu erzeugen, wie für die Erfüllung der Aufgaben benötigt werden. Dieses Ziel wurde schon jetzt erreicht. Der Ruhrverband wird in diesem Jahr erstmals energieneutral sein. Der Essener Wasserverband verringert damit seine CO2-Emissionen und leistet angesichts der immens gestiegenen Energiekosten einen wichtigen Beitrag zu stabilen Abwassergebühren. Neues Ziel: Im nächsten Jahrzehnt soll eine ausgeglichene Klimabilanz erreicht werden. Neben den Analysedaten des Ruhrverbands zur Ruhr und ihrer Nebengewässer erfolgte im Jahr 2022 auch wieder das jährliche AWWR-Monitoring auf nun insgesamt 61 organische Spurenstoffe im Oberflächenwasser der Ruhr. Mit den Vorbereitungen auf die Anforderung der neuen Trinkwasserverordnung mit teils neuen Qualitätsparametern, niedrigeren Grenzwerten sowie einem risikobasierten Ansatz, die am 24. Juni 2023 in Kraft trat, hat die AWWR bereits 2022 begonnen. Die Ruhrwasserwerke die neuen Grenzwerte sicher ein.

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