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22.03.2022

100. Todestag von William Philipps Dunbar

Vor 100 Jahren, am 19. März 2022, starb Dr. William Philipps Dunbar, der erste Direktor des Instituts für Hygiene und Umwelt, des heutigen Hamburger Landesinstituts für Lebensmittelsicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltuntersuchungen. Er leitete das Institut von der Gründung 1892 bis zu seinem Tod 1922. In diesen 30 Jahren legte er den Grundstein für das größte hygienische Institut der damaligen Zeit in Deutschland. Seine Verdienste kamen nicht nur der Stadt Hamburg zugute, sondern beeinflussten die Entwicklung des Verbraucher-, Gesundheits- und Umweltschutzes nachhaltig. Dunbar kam zusammen mit seinem Mentor Prof. Dr. Georg Gaffky im September 1892 nach Hamburg. Grund war der letzte große Cholera-Ausbruch Europas in der Hansestadt. Gaffky, der ein Schüler Robert Kochs war und wenige Jahre zuvor mit ihm zusammen die Existenz des Cholera-Erregers nachgewiesen hatte, wurde vom Senat zum hygienischen Berater berufen, um die Epidemie einzudämmen und wissenschaftlich zu untersuchen. Gaffky und Dunbar richteten zunächst ein provisorisches Labor ein, indem sie Material auf Krankheitserreger untersuchten, das von Ärzten und Krankenhäusern angeliefert wurden. Gleichzeitig nahmen sie das Trink-, Elb- und Abwasser genau unter die Lupe, damit sie zielgerichtet Maßnahmen ergreifen konnten, um eine weitere Ausbreitung der Cholera auf diesem Weg einzudämmen. Dank der schnellen Erfolge ihrer Arbeit wurde das provisorische Labor am 28. Dezember 1892 per Senatsbeschluss in ein staatliches Institut umgewandelt und Dunbar zum ersten Direktor des neuen Instituts berufen. Nahrungsmittel, Gesundheitsschutz, Wasserversorgung und Abwasserwesen - das waren die Aufgabenschwerpunkte des Instituts in den ersten Jahren seines Bestehens. Schon bald kamen neue Bereiche hinzu: 1898 übertrug der Senat Dunbar und seinen Wissenschaftlern die regelmäßige Überprüfung der hygienischen und sanitären Bedingungen in den Häusern der Armenviertel, und auch schul- und gewerbehygienische Fragen wurden von ihnen bearbeitet. Im Jahr 1900 übernahm das Institut zudem die fachliche Aufsicht über die städtischen Desinfektionseinrichtungen und -apparate und schulte die dortigen Mitarbeiter. In seiner Amtszeit baute Dunbar das Themenspektrum immer weiter aus. So hat er im Jahr 1900 ein Pestlabor eingerichtet, das als einzige Stelle in Hamburg Rattenkadaver untersuchte. Auch die Nahrungsmittelkontrollen wurden ausgeweitet. Neben den routinemäßigen Untersuchungen hat Dunbar von Anfang an auch Wert auf die wissenschaftliche Ausbildung und Lehre am Institut gelegt. Die hausinternen Vorträge und Seminare wurden 1919 durch einen offiziellen Lehrauftrag ergänzt, als das Gesetz zur Gründung der Hamburger Universität verabschiedet wurde: Dem Institut wurde damit die Ausbildung von Medizinstudenten und Nahrungsmittelchemikern in Hygienefragen übertragen. Dunbar widmete sich mit Erfolg seinem Steckenpferd „Abwasser”: Sein Bestseller „Leitfaden für Abwasserreinigungsfragen” wurde über 50 Jahre lang in verschiedenen Auflagen nachgefragt.

Foto: Institut für Hygiene und Umwelt – Hansestadt Hamburg

Webcode: 20220322_009