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12.11.2020

Abflussjahr 2020 im Ruhreinzugsgebiet extrem trocken und warm

Das Abflussjahr 2020 - November 2019 bis Ende Oktober 2020 - war im Ruhreinzugsgebiet extrem trocken und warm. Zusammen mit 2020 war es das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Und die Niederschläge lagen zum zwölften Mal in Folge unter dem langjährigen Mittel. Insgesamt fielen im Einzugsgebiet der Ruhr 957 Millimeter Gebietsniederschlag, das sind 92 Millimeter bzw. neun Prozent weniger als der langjährige Mittelwert. Eine besondere Rekordmarke setzte dabei die Sechs-Monats-Phase von April bis September, in der gerade einmal 58 Prozent der in diesem Zeitraum üblichen Regenmenge fielen. Nur ein einziges Mal seit Beginn der Niederschlagsaufzeichnungen, nämlich im extremen Trockenjahr 1959, war dieser Zeitraum noch trockener gewesen. Ebenfalls nur ein einziges Mal, nämlich 1989, hatte es zudem in einem Mai noch weniger geregnet als im Mai 2020, der mit nur 23 Millimetern Niederschlag der trockenste Monat des Jahres war. Der mit Abstand nasseste Monat des Jahres war der Februar 2020, der mit 204 Millimetern rund zweieinhalb Mal so viel Niederschlag verzeichnete wie ein durchschnittlicher Februar. Zu Beginn des Abflussjahres 2020 am 1. November 2019 lag der Gesamtstauinhalt aller Talsperren im Ruhreinzugsgebiet trotz hoher Beanspruchung im vorangegangenen Sommer bei 65 Prozent vom Vollstau und damit nur noch um gut 7 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Hauptsächlicher Grund dafür waren günstige Niederschlagsverhältnisse und steigende Abflüsse im Oktober 2019. Günstige Niederschlagsverhältnisse in den Folgemonaten führten zu einem kontinuierlichen Anstieg, so dass Anfang Februar wieder ein durchschnittlicher Füllstand erreicht wurde. Die niederschlagsreichen Folgewochen bis Mitte März sorgten für einen weiteren deutlichen Anstieg bis zum höchsten Füllstand des Abflussjahres 2020, der am 4. April mit 96 Prozent vom Vollstau bzw. sechs Prozent über dem langjährigen Mittel erreicht wurde. Aufgrund der erneuten großen Trockenheit ab April nahm der Gesamtstauinhalt bis ins letzte Oktoberdrittel ab und erreichte am 25. Oktober mit 56 Prozent vom Vollstau den niedrigsten Füllstand im Abflussjahr 2020. Sechs Tage später, am 31. Oktober, waren es dank einiger Niederschläge zwar rund zwei Millionen Kubikmeter Wasser (bzw. 1 Prozent vom Vollstau) mehr, aber immer noch knapp 20 Prozent weniger als im langjährigen Mittel und damit ein deutlich größeres Defizit als die 7 Prozent von vor einem Jahr. Die Ruhrverbandstalsperren haben im Abflussjahr 2020 jederzeit genug Wasser zur Einhaltung der Mindestabflüsse an der Ruhr abgegeben. Sie mussten dazu allerdings erneut Schwerstarbeit leisten, denn nach vorläufigen Berechnungen gab es an einem der beiden gesetzlich relevanten Kontrollquerschnitt (Ruhrmündung) die mit Abstand höchste und am anderen (Pegel Villigst bei Schwerte) die zweithöchste Anzahl sogenannter zuschusspflichtiger Tage seit Einführung des Ruhrverbandsgesetzes im Jahr 1990. Gäbe es die Talsperren des Ruhrverbands nicht, wäre die Ruhr in Villigst von Juli bis September an mehr als der Hälfte aller Tage trockengefallen. Hochwasserereignisse (gleichbedeutend mit einem Überschreiten der Meldegrenze von 300 Kubikmetern pro Sekunde am Pegel Wetter) gab es im Abflussjahr 2020 tatsächlich auch, und zwar einmal Ende Februar und ein weiteres Mitte März. Dabei erreichte der Abfluss der Ruhr am Pegel Hattingen am 24. Februar um 14:35 Uhr mit 458 Kubikmetern pro Sekunde bei einem Wasserstand von 535 Zentimetern seinen höchsten Abfluss im Abflussjahr 2020.

Die Grafik der „warming stripes“ für das Ruhreinzugsgebiet zeigt die Entwicklung der mittleren Temperaturen der Abflussjahre von 1882 bis 2020. Je „blauer“ ein Abflussjahr dargestellt ist, desto niedriger war die Jahresmitteltemper

Webcode: 20201112_003