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07.05.2019

Bedrohter Stör lernt für die Fitness

Gezieltes Fitnesstraining erhöht die Überlebenschancen des Baltischen Störs in Deutschland. Ein internationales Team unter Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat in einer aktuellen Nachweise für das komplexe Lernverhalten von Fischen erbracht. Störe gehören grundsätzlich zu den am stärksten bedrohten Fischarten der Welt. Früher waren in den Nord- und Ostseezuflüssen Deutschlands zwei Arten dieser Wanderfische heimisch. Der Europäische Stör (Acipenser sturio) lebte in der Nordsee und den Einzugsgebieten der Elbe, der Baltische Stör (Acipenser oxyrinchus) besiedelte die Ostsee und die Einzugsgebiete der Oder. Das IGB erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen, um die beiden Arten wieder in Deutschland anzusiedeln. Dazu gehören auch Besatzmaßnahmen mit aufgezogenen Jungfischen. Die höchste Sterberate von ausgewilderten Stören haben Wissenschaftler in den ersten Tagen in freier Wildbahn festgestellt. Umso schneller die Tiere sich an die neuen Umweltbedingungen anpassen, desto höher ist daher die Überlebenschance. Wie ein Staubsauger nehmen Störe Kleinstlebewesen vom Gewässergrund auf: In den Verhaltensstudien wurden die Störe in zwei Gruppen eingeteilt und in großen Fließrinnen mit Strömung gehalten. Störe ernähren sich in der Natur von Kleinstlebewesen wie Insektenlarven und Krebsen, die sie aus dem feinsandigen Gewässergrund aufsaugen. Die Tiere der Trainingsgruppe musste sich über zwei Wochen ihr Futter aus einer handgroßen Sandfläche in ihrem Aufzuchtbecken suchen, um die Nahrungsaufnahme unter naturähnlichen Bedingungen nachzuahmen. Die Gruppe ohne Training bekam die Insektenlarven auf dem blanken Rinnenboden vorgesetzt. Nach zwei Wochen mussten beide Gruppen ihre Beute in einer Fließrinne mit vollständig bedecktem Sandboden suchen, in dem das Futter vergraben war. Die trainierten Fische fanden die Nahrung doppelt so schnell wie ihre ungeübten Artgenossen und auch in der Gehirnstruktur zeigten sich Unterschiede. Neurod1 ist ein Transkriptionsfaktor, der bei der Neubildung von Nervenzellen vermehrt gebildet wird. Er dient als Indikator für die neuronale Komponente des Lernens. Die Genexpression von neurod1 war bei den trainierten Tieren deutlich höher als bei den untrainierten. Die vollständige Studie „How to improve foraging efficiency for restocking measures of juvenile Baltic sturgeon (Acpenser oxyrinchus” wurde in der Fachzeitschrift Aquaculture veröffentlicht (502(2019), S. 12-17).

Webcode: 20190507_001