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01.06.2021

Plastik in landwirtschaftlichen Böden

Im Auftrag des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) haben das Fraunhofer UMSICHT und das Institut für Ökologie und Politik Ökopol untersucht, aus welchen Quellen welche Mengen an Mikro- und Makroplastik in landwirtschaftliche Böden gelangen. Bisher existieren bereits diverse Studien zu Mikro- und Makroplastik in Gewässern. Der Eintrag von Kunststoffemissionen in Böden ist allerding noch wenig erforscht. Das Fraunhofer UMSICHT und Ökopol bilanzierten nun erstmalig Mengen und Quellen von Kunststoffeinträgen in landwirtschaftliche Böden in Deutschland. Diese umfassen einerseits Kunststoffeinträge, die die Landwirtschaft verantwortet, und andererseits Kunststoffeinträge verursacht durch Dritte. Dazu gehören zum Beispiel Littering (weggeworfener Müll), Klärschlamm, Komposte und Gärreste. Ziele der im Mai publizierten Studie „Kunststoffe in der Umwelt: Emissionen in landwirtschaftlich genutzte Böden” ist es, Wissenslücken zu schließen, einen ersten Gesamtüberblick zu bieten, Bedarfe für weitere empirische Detailuntersuchungen aufzudecken und erste Handlungsempfehlungen zu geben. Laut der Studie verbraucht die deutsche Landwirtschaft ca. 1,1 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr. Sie hat damit einen Anteil von 4,7 Prozent am deutschen Gesamtverbrauch von 23,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Beim Kunststoffverbrauch erreicht die Landwirtschaft einen Rezyklatanteil von ca. 37 Prozent und ist somit bei der Umsetzung einer Circular Economy anderen Kunststoffanwendern deutlich voraus. Insgesamt werden die Kunststoffemissionen in landwirtschaftliche Böden in Deutschland von den Autoren*innen auf mindestens 19 055 Tonnen pro Jahr geschätzt, wovon 15 420 Tonnen (81 Prozent) außerhalb der Landwirtschaft entstehen, und 3635 Tonnen (19 Prozent) direkt durch die Landwirtschaft verursacht werden. Das bedeutet, dass der durch Dritte verursachte Eintrag an Plastik höher ist als der Anteil, der durch landwirtschaftliche Prozesse selbst verursacht wird. Insbesondere durch den Einsatz von Düngemitteln, Bodenverbesserern, Pflanzenschutzmitteln oder Saatgut werden Emissionen direkt durch die Landwirtschaft verursacht, oder sie entstehen durch die Freisetzung von Kunststoffen im Futter- und Pflanzenbau, bei Pflanzhilfen, Pflanzbehältern oder Bewässerungssystemen. Bestimmte landwirtschaftliche Praktiken führen zu besonders hohen Flächeneinträgen wie Pflanzhilfen im Wein- und Gartenbau, Düngung mit Kompost, Anbau unter Folien, Anwendung von Klärschlamm und Langzeitdünger sowie Bodenverbesserern in Form von Hydrogelen. Für diese Prozesse muss allerdings auch der Eintrag an Kunststoff in landwirtschaftliche Böden gegenüber anderen Umwelteinflüssen abgewägt werden. Beispielsweise reduziert die Verwendung von Folien in der Landwirtschaft den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und ermöglicht erst einen regionalen Anbau von zum Beispiel Erdbeeren oder Spargel.

Weiterführende Links
Download der Studie

Webcode: 20210601_005