KW-2026-09

KORRESPONDENZ WASSERWIRTSCHAFT 9|26 19. Jahrgang · Nr. 9 September 2026 · 77157 WASSER · BODEN · NATUR Wissen, was los ist Die neue Kommunikationsplattform der DWA www.dwahub.de Hub Bereit für den Wandel Seite 473 München: 100 Jahre Kläranlage Seite 486 Förderprogramm zur Auenrenaturierung Seite 489 Löschwasserrückhalt Seite 492 Dürre und Niedrigwasser Seite 497 Wasser – als Beruf(ung)? Seite 511 Starkregen/Hochwasser: Webbasiertes Frühwarnsystem Seite 514

www.dwadirekt.de KW Gewässer-Info 3/2026 Ab sofort für alle Bezieher der KW kostenlos im Mitgliederbereich verfügbar: www.dwadirekt.de Magazinvorlage © Vectorium

Editorial 473 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften Bereit für den Wandel Kritischen Infrastruktur. Deshalb ist es selbstverständlich, dass die DWA gemeinsam mit Behörden und Partnern Leitfäden entwickelt und Orientierung bietet. Auch hier gilt: Vorsorge ist keine Bürokratie, sondern eine Investition in die Resilienz unserer Infrastruktur. Shakespeare lässt Hamlet am Ende des Dramas einen Satz sagen, der auch für unsere Arbeit ein guter Leitgedanke sein kann: „The readiness is all.“ Entscheidend ist nicht, jede Entwicklung vorhersehen zu können. Entscheidend ist, vorbereitet zu sein, wenn Veränderungen eintreten. Die Zeiten mögen stürmischer geworden sein. Gerade deshalb kommt es darauf an, Wissen zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Dafür steht die DWA – und dafür braucht sie die Expertise und das Engagement ihrer Mitglieder. Ich lade Sie herzlich ein, diesen Weg mitzugestalten und an unserer Mitgliederversammlung am 14. September 2026 teilzunehmen. Nutzen Sie Ihr Stimmrecht und bringen Sie sich ein. Ich freue mich auf eine starke Beteiligung. Herzliche Grüße ter. Der Klimawandel macht deutlich, dass Wasserwirtschaft längst nicht mehr nur klassische Siedlungswasserwirtschaft bedeutet. Themen wie Landschaftswasserhaushalt, urbane Klimaanpassung und Regenwassermanagement gewinnen an Bedeutung und erfordern eine enge Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. Dass sich diese Entwicklung inzwischen sogar in der Bezeichnung unserer Hauptausschüsse widerspiegelt, ist mehr als eine sprachliche Veränderung – sie steht für einen erweiterten Blick auf die Aufgaben unserer Branche. Die DWA versteht sich dabei nicht nur als Regelsetzer, sondern als Forum für den fachlichen Diskurs. In unseren Gremien werden Positionen erarbeitet, kontrovers diskutiert und dort, wo es notwendig ist, auch mit unterschiedlichen Auffassungen gerungen. Das gilt etwa für die Finanzierung der vierten Reinigungsstufe zur Entfernung von Arzneimittelrückständen ebenso wie für die Ausgestaltung der Phosphorrückgewinnung ab 2029. Solche Debatten sind kein Zeichen von Uneinigkeit, sondern Ausdruck einer lebendigen Fachgemeinschaft, die gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt. Ein weiteres Thema wird uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen: der Bürokratieabbau. Wo unnötige Verfahren vereinfacht werden können, ist das ausdrücklich zu begrüßen. Sorge bereitet allerdings die Tendenz, technische Regelwerke pauschal als Bürokratie einzuordnen. Unsere Regelwerke sind keine Verwaltungsvorschriften um ihrer selbst willen. Sie bündeln das Erfahrungswissen vieler tausend Fachleute und schaffen die Grundlage für Qualität, Sicherheit und Verlässlichkeit in der Wasserwirtschaft. Gleichwohl nehmen auch wir unsere Verantwortung ernst und überprüfen derzeit die Struktur unserer Fachgremien ebenso wie die Weiterentwicklung unseres Veröffentlichungswesens. Dasselbe gilt für das Thema Cybersicherheit. Die Wasserwirtschaft gehört zur „The time is out of joint“ – „Die Zeit ist aus den Fugen.“ Kaum ein Satz aus Shakespeares Hamlet beschreibt die vergangenen Jahre treffender. Pandemie, Krieg in Europa, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz haben viele Gewissheiten erschüttert. Veränderungen, die früher über Jahrzehnte verliefen, vollziehen sich heute oft innerhalb kürzester Zeit. Diese Entwicklungen spüren wir auch in der Wasserwirtschaft. Gestörte Lieferketten und stark gestiegene Energiepreise haben die Betriebe ebenso beschäftigt wie neue gesetzliche Anforderungen. Die kommunale Wärmeplanung eröffnet neue Perspektiven für die Nutzung von Abwasserwärme, die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie setzt neue Maßstäbe, und die Verpflichtung zur Phosphorrückgewinnung rückt näher. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Resilienz, Cybersicherheit und Klimaanpassung. Die Rahmenbedingungen verändern sich – und mit ihnen die Anforderungen an unsere Branche. Ein großes strategisches Vorhaben der vergangenen Jahre war die umfassende Weiterentwicklung der DWA selbst. Mit der Novellierung unserer Satzung und der Einführung eines hauptamtlichen Vorstands haben wir die Voraussetzungen geschaffen, die ehrenamtlichen Gremien zu entlasten und unsere Organisation zukunftsfest aufzustellen. Mit dem personellen Wechsel in der Bundesgeschäftsführung – heute Vorstand – zum 1. Januar 2024 wurde zugleich ein umfassender Strategieprozess angestoßen, der zahlreiche Veränderungen auf den Weg gebracht hat. Diese Weiterentwicklung zeigt sich in vielen Bereichen. Die DWA ist heute sichtbarer – in der Fachöffentlichkeit ebenso wie im politischen Raum. Mit dem Ausbau unserer politischen Arbeit in Hennef bringen wir die Expertise der Wasserwirtschaft noch gezielter in politische Entscheidungsprozesse ein. Gleichzeitig entwickeln wir unsere fachliche Arbeit kontinuierlich weiFoto: David Ausserhofer Prof. Dr. Uli Paetzel Präsident der DWA

w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 9 | www.dwa.info/KW 474 Inhalt Editorial Bereit für den Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . .................. 473 Uli Paetzel Berichte 75 Jahre Engagement für die Wasserwirtschaft DWA-Landesverbandstagung Nord . . . . . . . . . . . ............. 482 Frank Bringewski München: 100 Jahre moderne Abwasserreinigung . . . . ...... 486 Claudia Schiepp Junge DWA Exkursion zur Frank Kunststofftechnik GmbH und zur Tiefenbelüftungsanlage Wölfersheim 17. Stammtisch der Gießener Jungen DWA . . . . . . . . ......... 488 Gewässer und Boden Natürlicher Klimaschutz, Landschaftswasserhaushalt und Fördermöglichkeiten . . . . . . . . . . . . . . . ................. 489 Sophia Dosch, Florian Fischer (Berlin) Kreislaufwirtschaft, Energie, Klärschlamm Entsorgung von rückgehaltenem Löschwasser Arbeitsbericht des DWA-Fachausschuss KEK-5 „Abfälle aus Baumaßnahmen und Infrastruktur“ . . . . . ...... 492 Recht Dürre und Niedrigwasser Arbeitsbericht des DWA-Fachausschusses RE-3 „Vollzugsfragen des Wasserrechts“ . . . . . . . . . . . ............. 497 Bildung / Internationale Zusammenarbeit Wasser – als Beruf(ung)? . . . . . . . . . . . . . . . .................. 511 Circle Hydrologie der Jungen DWA Praxisreport Entwicklung eines webbasierten Frühwarnsystems für die kommunale Starkregen- und Hochwasservorsorge an der Ahr . . . . . . . . . . . . .............. 514 Alpaslan Yörük (Saarbrücken), Markus Becker (Bad Neuenahr-Ahrweiler), Oliver Buchholz (Aachen) DWA DWA intern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ....................... 517 Fachgremien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ...................... 518 Regelwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................ 518 Technisches Sicherheitsmanagement . . . . . . . . . . ........... 520 Beide Verbandszeitschriften – KA und KW – auch online lesen: https://www.dwahub.de  9|26 Newsletter aus der Redaktion der DWA-Zeitschriften Im Umfeld der Wasserwirtschaft passiert mehr, als in den DWAZeitschriften KA und KW gedruckt werden kann. Aktuelle Nachrichten, vor Erscheinen der Zeitschriften, bekommt man auf der Website www.gfa-news.de, die von der Redaktion betreut wird. Dort kann man auch einen E-Mail-Newsletter abonnieren, der in der Regel alle zwei Wochen montags verschickt wird. Beiträge in KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 9/2026 C. Reichelt, L. Siemens, U. Feldmann: Hydraulische Auslegung bauzeitlicher Vorflutsicherungen. Ein Verfahren der hanseWasser Bremen als Umsetzungsbeispiel des Regelwerkes DWA-A 118:2024 Kapitel 6.4 B. Stricker, J. Schönung, B. Stumpf, U. Dittmer, P. Bräutigam: Zehn Jahre Mischwasserüberlauf-Beprobungen im Gebiet des EBS Mannheim. Neue Erkenntnisse zu Nährstoff- und Spurenstoffemissionen? C. Schade, D. Blöhse, A. Schönebeck, A. Knake, N. W. Höing, T. Frehmann: Prozessoptimierung in der Klärschlammverbrennung. Ansätze zur Stabilisierung der Rauchgasreinigung und Aschequalität im Hinblick auf das zukünftige P-Recycling Arbeitsbericht des DWA-Fachausschuss KEK-5 „Abfälle aus Baumaßnahmen und Infrastruktur“: Entsorgung von rückgehaltenem Löschwasser Arbeitsbericht des DWA-Fachausschuss RE-3 “Vollzugsfragen des Wasserrechts“: Dürre und Niedrigwasser, Teil 2 Seite 473 „Bereit für den Wandel“ hat DWA-Präsident Uli Paetzel sein Editorial überschrieben. Darin heißt es: „Die Zeiten mögen stürmischer geworden sein. Gerade deshalb kommt es darauf an, Wissen zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Dafür steht die DWA.“

w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften 475 Rubriken Spektrum �����������������������������������������������������������������������������������476 Impressum ���������������������������������������������������������������������������������494 Personalien ���������������������������������������������������������������������������������521 Leserforum ���������������������������������������������������������������������������������522 Veranstaltungen �����������������������������������������������������������������������523 Bücher �����������������������������������������������������������������������������������������524 Industrie und Technik �������������������������������������������������������������524 Ingenieurbüros �������������������������������������������������������������������������527 Beilagenhinweis ��������������������������������������������������������������495 KW 10/2026 Anzeigenschluss: 15. September 2026 Erscheinungstermin: 7. Oktober 2026 KW 11/2026 Anzeigenschluss: 13. Oktober 2026 Erscheinungstermin: 4. November 2026 Abonnieren Sie den monatlichen Themenplan kostenlos auf www.dwa.info/ThemenKW  Korrespondenz Wasserwirtschaft Hochwasser-/ Starkregenvorsorge Foto: Currenta Foto: BfG, Susanne Schäfer Seite 511 Eine Umfrage des Circle Hydrologie der Jungen DWA zeigt, dass Fachkräfte im Berufsfeld „Wasser“ ihre Tätigkeit als sinnstiftend und zukunftsrelevant empfinden. Gleichzeitig besteht Optimierungspotenzial in Bezug auf Sichtbarkeit, Vergütung und gesellschaftliche Wertschätzung. Seite 492 Bei großen Brandereignissen kann es durch kontaminiertes Löschwasser zu erheblichen Gefährdungen von Böden und Gewässern sowie zu nachhaltigen Schäden an Abwasseranlagen kommen. Eine Unterarbeitsgruppe des DWA-Fachausschusses KEK-5 behandelt in einem Arbeitsbericht, ausgehend von einer Betrachtung möglicher Inhaltsstoffe von Löschwässern sowie unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen, Optionen zur ordnungsgemäßen Entsorgung von rückgehaltenem Löschwasser. Seite 497 Dürreperioden und langanhaltendes Niedrigwasser gehören zu den sichtbarsten Folgen des Klimawandels in Mitteleuropa. Ziel eines Arbeitsberichts des DWA-Fachausschusses RE-3 ist es, die fachlichen Grundlagen kurz darzustellen und die rechtliche Situation einzuordnen. Seite 514 Das Frühwarnsystem infraWarn unterstützt Kommunen bei der Bewältigung von Starkregen- und Hochwasserereignissen. Durch die Kombination aus frei verfügbaren Wetterdaten, lokalen Messnetzen und modellgestützten Prognosen ermöglicht das System eine frühzeitige und belastbare Einschätzung von Gefährdungslagen. Seite 486 Das Klärwerk Gut Großlappen im Norden Münchens feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Seit der Fertigstellung im Mai 1926 steht es für den Beginn der modernen Abwasserreinigung in der bayerischen Landeshauptstadt. Erstmals wurde das Münchner Schmutzwasser nicht mehr ungeklärt in die Isar eingeleitet. Foto: Georg Lamberty/ Planungsbüro Zumbroich Seite 489 Das Förderprogramm „Klimabezogene Maßnahmen der Auenrenaturierung an Fließgewässern“ fördert als Teil des „Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK)“ des Bundesumweltministeriums naturbasierte Maßnahmen zur Wiederherstellung von Auen und zur Unterstützung des Klimaschutzes in Deutschland. Für Informationen steht das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (KNK) bereit.

Spektrum 476 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 9 | www.dwa.info/KW tungsstelle für seine 27 kreisangehörigen Kommunen. Download der Studie: www.gfa-news.de/gfa/webcode/ 20260814_007 w Köln: Grundstein für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe gelegt Der Bau von Europas größter FlusswasserWärmepumpe hat begonnen: Am 26. Juli 2026 hat die RheinEnergie AG in Köln-Niehl den Grundstein gelegt. Die Anlage ist auf eine Leistung von 150 Megawatt ausgelegt. Ab 2028 soll sie als erste dieser Größenordnung Wärme aus dem Rhein nutzen und diese in das Kölner Fernwärmenetz einspeisen. Die Kapazität der Großwärmepumpe reicht aus, um bis zu 50 000 Haushalte mit Wärme zu versorgen. Die Flusswasser-Wärmepumpe besteht aus drei Modulen mit je 50 Megawatt Leistung und wird künftig im Zusammenspiel mit den bestehenden Gas-und-Dampfturbinen-Anlagen am Standort Niehl betrieben: Bei hohem Stromangebot und niedrigen Preisen übernimmt die Wärmepumpe die Wärmeproduktion, in Zeiten hoher Strompreise sichern die Gas-undDampfturbinen-Anlagen die Versorgung. Für den Wärmepumpenprozess wird im Durchschnitt weniger als ein Prozent des Rheinwassers benötigt. Dessen Umweltwärme wird auf ein Kältemittel übertragen, das im geschlossenen Kreislauf verdichtet und auf über 100 °C gebracht wird. Pro eingesetzter Einheit Strom gewinnt die Anlage zwischen zwei und drei Einheiten Wärme. Das entnommene Rheinwasser kühlt sich dabei nur um wenige Grad ab und gelangt anschließend wieder in den Rhein. Die Kosten des Projekts sind mit 280 Millionen Euro veranschlagt. Die vorbereitenden Arbeiten am Kraftwerksstandort Niehl hatten bereits im Frühsommer 2026 begonnen. Das Vorhaben wird mit 100 Millionen Euro aus Bundes- und EU-Mitteln gefördert. w Ammersee: Wärme für 35 000 Haushalte Mit einem nutzbaren Wärmepotenzial von rund 277 GWh könnte der Ammersee den Jahreswärmebedarf von rund 35 000 Haushalten decken. Das hat eine Studie im Zuge des Projekts „AmmerSeethermie“ ergeben. Im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsdie Vorsorge auch für andere komplexe, lang andauernde Schadenslagen zu verbessern. Das BBK koordiniert seit über 20 Jahren die LÜKEX, die Länder- und Ressortübergreifende Krisenmanagementübung/Exercise. https://www.bbk.bund.de w BBSR-Studie: Digitale Lösungen verbessern die Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen Digitale Technologien können Kommunen dabei unterstützen, Risiken von Hochwasser und Starkregen frühzeitig zu erkennen, Vorsorgemaßnahmen gezielt zu planen und im Ernstfall schneller zu handeln. Das zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Danach können digitale Werkzeuge Kommunen entlang des gesamten Vorsorgezyklus unterstützen: von der Risikoanalyse über die Planung von Schutzmaßnahmen bis hin zur Warnung der Bevölkerung. Sensoren liefern Pegel- und Niederschlagsdaten in Echtzeit. Datenplattformen führen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen. Mittels Urbanen Digitalen Zwillingen – datenbasierte 3D-Modelle der Stadt – lässt sich simulieren, welche Straßen, Gebäude oder Infrastrukturen bei Starkregen besonders gefährdet sind. Dadurch können Kommunen Risiken besser bewerten, Maßnahmen gezielter planen und Einsatzkräfte im Ereignisfall wirksam unterstützen. Anhand von fünf Praxisbeispielen aus den Modellprojekten Smart Cities zeigt die Studie, wie Kommunen digitale Technologien bereits einsetzen: › Berlin und Dresden nutzen digitale Modelle und Simulationen, um Starkregenabflüsse sichtbar zu machen und blau-grüne Infrastruktur wie Parks, Retentionsräume und Versickerungsflächen gezielt zu planen. › Der Eifelkreis Bitburg-Prüm verbessert mit Sensoren die Datengrundlage an kleineren Fließgewässern und entwickelt ein KI-gestütztes Frühwarnsystem. › Solingen setzt auf Umweltsensoren und digitale Kommunikationswege, um die Bevölkerung bei Extremwetterereignissen gezielt zu informieren. › Der Landkreis Hof nutzt einen digitalen Zwilling, um Hochwasserrisiken sichtbar zu machen, und bündelt Daten, Analysen und Fachwissen in einer BeraBundesumweltministerium: Niedrigwasserinformationssystem NIWIS vorgestellt Wo ist Handlungsbedarf bei Niedrigwasser, wie lässt sich Wasser besser vorhalten, und wie lassen sich natürliche Wasserressourcen besser schützen? Diese Fragen stellen sich derzeit viele Kommunen und Unternehmen. Umso wichtiger ist ein bundesweit einheitlicher und fundierter Überblick über Niedrigwasser-Stände in Deutschland. Bundesumweltminister Carsten Schneider hat am 15. Juli 2026 das erste bundesweite Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS) vorgestellt. Die neue Informationsplattform NIWIS bietet Behörden und Kommunen sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern erstmals einen bundesweiten, methodisch einheitlichen Überblick über die aktuelle Niedrigwassersituation sowie umfassende Hintergrundanalysen. Das NIWIS wurde im Rahmen der Nationalen Wasserstrategie auf Initiative des Bundesumweltministeriums in enger Zusammenarbeit von Bund und Ländern bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) entwickelt. https://niwis-online.de w Hitze und Dürre Schwerpunkt der Großübung LÜKEX 26 In der Großübung LÜKEX 26, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) vom 4. bis 6. November 2026 ausrichtet, wird das Szenario „Dürre und Hitzewelle – Notlage durch extreme Hitzewelle nach langjähriger Trockenperiode in Deutschland und Europa“ trainiert. Ausgangspunkt ist eine mehrjährige Dürre mit deutlich zu geringen Niederschlagsmengen. Auf diese langanhaltende Trockenperiode folgt eine außergewöhnliche Hitzewelle mit anhaltend hohen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen. In der Übung werden vor allem die Folgen für die Bereiche Inneres, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft und Verkehr betrachtet und damit die Lebensbereiche der gesamten Bevölkerung. Eine solche Lage erfordert ein abgestimmtes Handeln aller staatlichen Ebenen sowie eine enge Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen und Betreibern Kritischer Infrastrukturen sowie eine geeignete Krisenkommunikation. Die Erkenntnisse aus der Übung helfen dabei, Krisenreaktionsmechanismen weiterzuentwickeln und

Spektrum 477 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften Universität Göttingen und der Kanzlei Becker Büttner Held Rechtsanwälte (BBH) zeigen sie darin den aktuellen Wissensstand auf und geben Handlungsempfehlungen. „Wichtig ist, für die Doppelnutzung aus Moorböden und Photovoltaik nur entwässerte und stark degradierte Flächen zu erschließen“, sagt PD Dr. Franziska Tanneberger, Leiterin des Greifswald Moor Centrum und Wissenschaftlerin an der Universität Greifswald. „Naturschutzfachlich wertvolle Moore und Moorböden innerhalb gesetzlicher Schutzgebiete sollten ausgenommen sein.“ Auch so bleibt das Potenzial groß: Allein die degradierten, landwirtschaftlich genutzten Moorböden ohne naturschutzrechtlich einschränkende Schutzauflagen in Mecklenburg-Vorpommern ergeben zusammen über 85 000 Hektar. https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/handreichung-moorpv.html w Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bilden Fachkräfte für den Moorschutz aus Mecklenburg-Vorpommern bildet mit dem „Institut zur Ausbildung von Moorspezialisten (IMS)“ am Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV (LUNG) seit April 2025 in einem Modellvorhaben im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz 20 zertifizierte Moorspezialistinnen und Moorspezialisten aus, um den Mangel an Fachkräften im Bereich des Natürlichen Klimaschutzes auszugleichen. Das Programm „Moorspezialist*innen“ wird im Rahmen einer Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund, vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. Als neuen Partner für einen bundesweiten Ausbildungsverbund konnte MecklenburgVorpommern Niedersachsen gewinnen, das sich seit August 2026 an der Fachkräfteoffensive für den Moorschutz beteiligt. www.institut-moorspezialisten.de w Spatenstich der Grundinstandsetzung der Doppelschleuse Kachlet Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat am 3. August 2026 den symbolischen Spaministeriums untersuchten Forscher dabei mithilfe von 3D-Modellierung das Energiepotenzial des Sees. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bezeichnete bei der offiziellen Bekanntgabe der Studienergebnisse in Stegen am Ammersee am 20. Jul 2026 Gewässerthermie als weiteren Baustein der bayerischen Wärmewende: „Allein Flussthermie könnte rund 700 Gemeinden in Bayern mit Wärme versorgen und rund 10 Prozent des gesamten Jahreswärmebedarfs in Bayern decken. Von Seethermie könnten weitere 69 Gemeinden unmittelbar profitieren.“ Das Projekt „AmmerSeethermie“ umfasst zwei Schwerpunkte: zum einen das Wärmepotenzial des Ammersees und wie viel Energie es zur Wärmeversorgung der umliegenden Kommunen beitragen könnte. Zum anderen eine detaillierte Checkliste für Kommunen, wie geplante Gewässerthermie-Projekte konkret umgesetzt und kommuniziert werden könnten. Im Zuge der Potenzialanalyse für den Ammersee erforschte die Ingenieurgesellschaft Prof. Kobus und Partner das tatsächliche Potenzial des Sees. Mit weiterem Fortgang des Projekts werden zudem die Potenziale am Tegernsee, Schliersee und dem Kleinen Brombachsee analysiert. Eine Studie im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums kam bereits im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass für rund 30 Prozent aller Gemeinden in Bayern nutzbare Energie aus angrenzenden Flüssen verfügbar wäre. Zusätzlich bieten 31 Seen günstige Voraussetzungen. Mittels Gewässerthermie könnten damit rund 220 000 bis zu 610 000 Wohngebäude geheizt werden. w Bayern: Gewässerthermie kann bedeutenden Beitrag zur Wärmewende leisten Flüsse und Seen bieten ein erhebliches Potenzial, um heimische erneuerbare Wärme für Gebäude und Wärmenetze bereitzustellen und so die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Nach Angaben der bayerischen Staatsregierung verfügen 667 der 2056 Kommunen im Land über nutzbare Potenziale zur Flussthermie, für 309 Kommunen entlang der größten Flüsse ist eine Nutzung besonders aussichtsreich. Das erschließbare Potenzial wird auf 10 bis 27 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr geschätzt. Damit könnten zwischen 220 000 und 610 000 Wohngebäude beheizt sowie 6 bis 16 Prozent des bayerischen Wärmebedarfs gedeckt werden. Ergänzend bieten 31 Seen in 69 Kommunen gute Voraussetzungen für Seethermie. Voraussetzung für den Einsatz sind die Einhaltung wasserrechtlicher und ökologischer Vorgaben sowie ergänzende Wärmeerzeuger für längere Frostperioden mit zu niedrigen Wassertemperaturen. Insgesamt kann die Gewässerthermie einen Beitrag für eine klimafreundliche, sichere und wirtschaftliche Wärmeversorgung in Bayern leisten. w Handlungsleitfaden zu Moorschutzmaßnahmen in Naturschutzgebieten veröffentlicht Wer Flächen wiedervernässen möchte, stößt auf langwierige Genehmigungen, unterschiedliche Zielvorgaben der Behörden oder schwierige Eigentumsverhältnisse. Um solche Herausforderungen zu meistern, hat das DBU Naturerbe im Modellprojekt „NaturErbeKlima“ einen Handlungsleitfaden zu Moorschutzmaßnahmen in Naturschutzgebieten veröffentlicht. Moore bedeckten in Deutschland ursprünglich rund 1,8 Millionen Hektar. Durch weitreichende Entwässerung zur Gewinnung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen sind heute mehr als 90 Prozent der Moorflächen trockengelegt. Das Problem: „Bundesweit verursachen die trockenen Moore sieben Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe. Download https://cms.dbu.de/doiLanding1791.html w Neue Handreichung: Photovoltaik-Systeme auf wiedervernässten Moorböden Seit 2023 fördert die Bundesregierung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes in Deutschland die Stromproduktion auf wiedervernässten Moorböden, die zuvor für landwirtschaftliche Zwecke entwässert wurden. Für landwirtschaftliche Betriebe, Solarunternehmen, Akteurinnen und Akteure der öffentlichen Verwaltung sowie die interessierte Öffentlichkeit veröffentlicht das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE nun eine Handreichung zum Stand der Technik der Moor-PV sowie zu offenen Fragen. Gemeinsam mit dem Greifswald Moor Centrum, der Humboldt-Universität zu Berlin, dem Institut für Landwirtschaftsrecht der Georg-August-

Spektrum 478 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 9 | www.dwa.info/KW Waldbewirtschaftung können Vorteile für die Biodiversität, das Klima und die Gesellschaft bieten. Investitionsentscheidungen werden jedoch häufig durch begrenzte Kenntnisse zu Kosten, Nutzen und finanzieller Leistungsfähigkeit behindert. Mithilfe einer Kosten-Nutzen-Analyse, Leistungsbewertung und daraus resultierenden Empfehlungen können Anwender die wirtschaftlichen Kosten und Nutzen abschätzen und auf evidenzbasierte Empfehlungen zugreifen, die auf der integrierten Invest4Nature-Evidenzdatenbank beruhen. https://invest4nature.eu/results/ nbs-ds-toolbox w Bundesrat stimmt InfrastrukturZukunftsgesetz zu Die Bundesländer haben am 10. Juli 2026 den Weg für das Infrastruktur-Zukunftsgesetz freigemacht. Mit dem Gesetz sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren wichtiger Infrastrukturvorhaben effizienter gestaltet und beschleunigt werden. Bevorzugt behandelt werden unter anderem systemrelevante Wasserstraßen und Schifffahrtsanlagen sowie Maßnahmen des Hochwasser- und Küstenschutzes. Auf diese Weise könnten mit den vorhandenen Mitteln mehr Projekte umgesetzt und steigende Kosten reduziert werden, so die Bundesregierung, auf die das Gesetz zurückgeht. Das Gesetz sieht vor, zentrale Infrastrukturvorhaben aufgrund ihrer erheblichen Bedeutung für die öffentliche und militärische Sicherheit zu priorisieren, indem sie dem überragenden öffentlichen Interesse zugeordnet werden. Darüber hinaus wird gesetzlich klargestellt, dass solche Projekte der öffentlichen Sicherheit dienen. Das Gesetz enthält auch Regelungen, um die Vorgaben des Natur- und Umweltschutzes einfacher umzusetzen. So stehen für Vorhaben des überragenden öffentlichen Interesses künftig drei gleichrangige Möglichkeiten zur Verfügung: Ausgleich, Ersatz oder Ersatzgeld. Außerdem werden Umweltverträglichkeitsprüfungen reduziert, beispielsweise bei Linienbestimmungsverfahren für Bundesfernstraßen oder bei Erneuerungen von unselbständigen Brückenteilen, wenn diese deren Erhaltung dienen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesetzes ist die Digitalisierung. So sollen Planfeststellungsverfahren künftig vollständig digital durchgeführt werden. Die Übergangstenstich für die Grundinstandsetzung der Schleuse Kachlet in Passau gesetzt. Die Maßnahme ist Teil des Investitionsschwerpunkts des Bundes an der Main-DonauWasserstraße, die als europäische Verkehrsachse die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Rund 380 Millionen Euro investiert der Bund in die Zukunft eines Bauwerks, das seit fast 100 Jahren die Schifffahrt auf der Donau ermöglicht. Die Doppelschleuse Kachlet wird umfassend modernisiert, damit sie ihre Funktion als zuverlässiger Bestandteil der internationalen Rhein-Main-Donau-Verbindung auch in den kommenden Jahrzehnten erfüllen kann. Die Grundinstandsetzung der Schleuse Kachlet ist Teil des Investitionsschwerpunkts des Bundes an der Main-DonauWasserstraße. Neben Kachlet läuft derzeit der Ersatzneubau der Schleuse Kriegenbrunn am Main-Donau-Kanal. Mit dem Ersatzneubau der Schleuse Erlangen wird noch in diesem Jahr ein weiteres Großprojekt beginnen. Die beiden Schleusenprojekte mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro sind Teil des Investitionsrahmenplans 2025 bis 2029, der insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro für die Wasserstraßeninfrastruktur in Bayern vorsieht. w Niedersachsen: Masterplan Wasser vorgestellt Die Klimakrise stellt die Kommunen und die Wasserwirtschaft vor enorme Herausforderungen. Niedersachsen reagiert darauf mit dem Masterplan Wasser, den Umwelt- und Klimaschutzminister Christian Meyer am 15. Juli 2026 in Hannover vorgestellt hat. Der Masterplan bündelt erstmals zentrale Strategien zum Wassermengenmanagement, zum Hochwasser- und Küstenschutz sowie zur Verbesserung der Wasserqualität. Er enthält konkrete Maßnahmen wie zum Beispiel das landesweite Grundwasserströmungsmodell, das wichtige Erkenntnisse für ein ganzheitliches Verständnis des Wasserhaushalts in Niedersachsen liefert, die Entsiegelung von Flächen für mehr Wasserrückhalt oder die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen. Die drei zentralen Handlungsfelder des Masterplans Wasser sind: 1. Nachhaltiges Wassermengenmanagement Kernziel ist es, Wasser stärker in der Fläche zu halten und natürliche Speicher zu fördern. So sollen Nutzungskonflikte frühzeitig ausgeglichen, die langfristige Versorgung gesichert und klimaresiliente Ökosysteme stabilisiert werden. Unter anderem durch die naturnahe Umgestaltung von Bächen und Flüssen wird der Abfluss von Wasser verzögert, was insbesondere in Niedrigwasserphasen einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung leistet. 2. Schutz vor Wasser Zunehmende Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser und steigende Meeresspiegel erfordern eine intensivere Vorsorge. Der Masterplan setzt daher auf ein integriertes Risikomanagement, um Schäden zu minimieren und die Sicherheit für Bevölkerung, Infrastruktur und Natur deutlich zu erhöhen. 3. Schad- und Nährstoffe reduzieren Viele Gewässer sind durch Einträge von Nährstoffen und Schadstoffen belastet. Der Masterplan stärkt deshalb den Gewässerschutz und zielt auf eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität ab. Dazu gehört auch die weitere Umsetzung der Gewässerrandstreifen im Rahmen des Niedersächsischen Wegs. Zudem ist ein neues Programm mit Landwirtschaft und Umwelt zur ökologischen Aufwertung dieser Streifen an Gewässern in Höhe von 10 Millionen Euro jährlich geplant. https://www.umwelt.niedersachsen.de/ startseite/themen/wasser/masterplan_ wasser w Evidenzbasierte Entscheidungshilfe für naturbasierte Lösungen Mit dem EU-Projekt Invest4Nature wollen 15 Forschungseinrichtungen zu einer verbesserten Datenbasis und zur Entwicklung eines Marktes für naturbasierte Lösungen beitragen. Die Partner des Projekts haben eine neue Online-Toolbox vorgestellt, die Kommunen, Investoren und Fachleuten dabei helfen soll, die Kosten, den Nutzen und das Investitionspotenzial naturbasierter Lösungen zu bewerten. Durch die Unterstützung einer evidenzbasierten Entscheidungsfindung beseitigt die „NbS Decision Support (DS) Toolbox“ eines der größten Hindernisse für die Verbreitung naturbasierter Lösungen: den Nachweis ihres Werts gegenüber Investoren und Entscheidungsträgern. Naturbasierte Lösungen (NbS) wie beispielsweise Stadtbegrünung, Renaturierung von Feuchtgebieten und nachhaltige

Spektrum 479 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften frist für digitale Verfahren im Verwaltungsverfahrensgesetz wurde um ein Jahr auf den 31. Dezember 2027 verkürzt. Nachdem nun der Bundesrat dem Gesetz zugestimmt hat, kann es ausgefertigt und verkündet werden. Es tritt zum überwiegenden Teil am Tag nach der Verkündung in Kraft. w Mecklenburg-Vorpommern stellt Klimaanpassungsstrategie vor Nach einem einjährigen Erarbeitungsprozess verfügt Mecklenburg-Vorpommern erstmals über eine landesweite Klimaanpassungsstrategie. Sie legt den verbindlichen Handlungsrahmen fest, wie Klimarisiken künftig bei politischen Entscheidungen, Planungen und Investitionen systematisch berücksichtigt werden. Die Klimaanpassungsstrategie setzt das Klimaverträglichkeitsgesetz des Landes um und bildet eine Ergänzung zum Klimaschutz. Mit der Klimaanpassungsstrategie verändert Mecklenburg-Vorpommern die Art und Weise, wie künftig geplant, gebaut, investiert und gefördert wird. Die Strategie schafft erstmals einen verbindlichen und ressortübergreifenden Handlungsrahmen. Klimarisiken sollen künftig bei staatlichen Entscheidungen nicht nachträglich bewertet, sondern von Beginn an in Planungen, Investitionen und Förderentscheidungen berücksichtigt werden. Sie dient den Ressorts der Landesregierung, den Landesbehörden sowie öffentlichen Planungsträgern als gemeinsame Grundlage und bietet zugleich Kommunen Orientierung für Bauleitplanung, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und Gesundheitsvorsorge. Die Strategie umfasst 20 Handlungsfelder in fünf Themenclustern. Mehr als 60 Fachleute aus sieben Ministerien und mindestens acht Landesbehörden haben sie erarbeitet. Als erstes Bundesland verankert MecklenburgVorpommern Moore als eigenständiges Handlungsfeld der Klimaanpassung. w Bayern: Neues Förderprogramm zur Unterstützung der Kommunen bei Klimaschutz und Klimaanpassung In Bayern ist die Neuauflage der Förderrichtlinie Kommunaler Klimaschutz – KommKlimaFöR 2026 – in Kraft getreten. Mit dem neuen Förderprogramm sollen beispielsweise natürliche Beschattungen für öffentliche Plätze, Klimawälder, Klimaparks, Dachbegrünungen, klimafreundliche Wasseranlagen zur Kühlung der Umgebung und einfache Systeme zur Regenwassernutzung wie Zisternen gefördert werden. Im aktuellen Haushaltsjahr hat der Bayerische Landtag dem Umweltministerium für die KommKlimaFöR rund 9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die vorgesehene Förderobergrenze liegt bei 200 000 Euro. Die KommKlimaFöR wurde erstmals im Jahr 2019 aufgelegt. Seit Beginn wurden insgesamt über 45 Millionen Euro Fördermittel für inzwischen rund 460 kommunale Klimaschutzprojekte bewilligt. https://www.verkuendung-bayern.de/ baymbl/2026-303 https://foerderung.bayern.de w TU Graz entwickelt kühlende Keramikwand gegen urbane Hitze Eine energieeffiziente Lösung für Hitzeinseln in der Stadt präsentiert das Institut für Architektur und Medien der TU Graz: 3D-gedruckte Würfel aus hochporöser Keramik. Die Keramikwürfel eignen sich sowohl zur Kühlung von Innenräumen als auch der Umgebungsluft im Freien. Die Würfel nutzen ein physikalisches Prinzip, das besonders in heißen und trockenen Regionen der Erde bestens bekannt ist: die Verdunstungskühlung. Den entscheidenden technologische Fortschritt jetzt sieht die TU Graz im Einsatz des 3DDrucks, mit dem hochkomplexe, poröse und funktionsoptimierte Geometrien aus Tongemischen hergestellt werden. Diese speziellen Strukturen speichern Wasser besonders effizient und schaffen bei geringem Volumen eine große Verdunstungsoberfläche. Die Würfel mit einer Seitenlänge von rund 23 Zentimetern werden digital entworfen und im 3D-Druck aus einer keramischen Tonmischung gefertigt. Um die Kühlleistung weiter zu steigern, experimentiert das Team im institutseigenen „Shape Lab“ mit bio-inspirierten Ansätzen. Dem Ton werden Pilzkulturen sowie Holzspäne als Nährmedium beigemengt. Das Myzel – das fadenförmige Pilzgeflecht – wächst in das Material hinein und bildet ein feines Netzwerk. Das Ton-Pilz-Gemisch wird 3D-gedruckt und gebrannt. Pilzmyzel und Holzspäne verbrennen und hinterlassen ein Netzwerk aus Mikro- und Makroporen, durch das sich das Wasser im Inneren des Würfels besonders gut verteilen kann. Das Team probiert auch andere neu entwickelte Materialmischungen aus. Ein Fokus liegt auf Schlamm aus dem Neusiedler See, der regelmäßig abgebaggert werden muss, um die Verlandung des flachen Gewässers zu bremsen. Bislang wurde der Seeschlamm größtenteils ungenutzt entsorgt. Künftig könnten diese Sedimente als nachhaltiges Baumaterial aus dem 3D-­ Drucker in ressourcenschonende Bauprozesse integriert werden. w Wasserwirtschaftliche Zukunft der Lausitz – Sachsen und Brandenburg bauen Zusammenarbeit aus Sachsen und Brandenburg wollen ihre enge Zusammenarbeit zur Bewältigung der wasserwirtschaftlichen Herausforderungen im Lausitzer Revier weiter stärken. Bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Besuch am Speicherbecken Lohsa II sowie am Bärwalder See tauschten sich Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch und Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt Ende Juli 2026 über die künftigen Herausforderungen des Bergbauwassermanagements und des Wasserhaushalts in der Lausitz aus. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen von Kohleausstieg, Strukturwandel und Klimarisiken auf die Wasserverfügbarkeit sowie die Notwendigkeit eines abgestimmten Vorgehens von Ländern und Bund. Im Gespräch verständigten sich von Breitenbuch und Mittelstädt zu den wesentlichen wasserwirtschaftlichen Aufgaben der kommenden Jahre. Dazu zählen eine prognostische Wasserbilanzierung für die kommenden Jahrzehnte, die Weiterentwicklung der wasserwirtschaftlichen Bergbauspeicher sowie der Aufbau belastbarer Planungsgrundlagen und -instrumente wie das Grundwassermodell Lausitz. Beide Minister bekräftigten zudem die Notwendigkeit, gegenüber dem Bund weiterhin geschlossen aufzutreten. Im Mittelpunkt steht dabei die zügige Umsetzung des Beschlusses der Umweltministerkonferenz zur Einrichtung eines Bund-LänderGremiums. Ziel ist es, die wasserwirtschaftliche Sanierung der Braunkohlenfolgelandschaften koordiniert voranzubringen und langfristig einen sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushalt im Lausitzer Revier zu ermöglichen. https://wassermanagement-lausitz.de w

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