KORRESPONDENZ WASSERWIRTSCHAFT 6|26 19. Jahrgang · Nr. 6 Juni 2026 · 77157 WASSER · BODEN · NATUR RegenwasserTage 23./24. Juni in Leipzig | Neue Regelungen zum Gewässerschutz | Wasserbewusste Siedlungsentwicklung | Starkregen | Betrieb zentraler und dezentraler Anlagen © Geelen / DWA Wasserbewusste Siedlungsentwicklung DWA-Politikmemorandum Seite 302 Ausstellung „Mission Aqua“ Seite 304 Papiertheater für Kinder Seite 306 Ableitung und Verortung von blau-grünen Maßnahmenkombinationen Seite 310 GIS-basierte Flächenpotenzialanalyse Seite 317 Modellierung von Blau-Grünen Infrastrukturen Seite 322 Modellansätze für Blau-Grüne Infrastrukturen Seite 330 IFAT Munich Seite 346 Foto: Fraunhofer IGB Foto: Messe München GmbH Foto: AQUANET Berlin Brandenburg
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Editorial 293 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 6 | www.dwa.info/Zeitschriften Von IFAT, Politik, Cyber Security, wasserbewusster Siedlungsentwicklung und mehr Was in den letzten Monaten auch in quasi keinem Heft in der Rubrik „Spektrum“ fehlt, sind Meldungen zum Thema Landschaftswasserhaushalt und Wiedervernässung von Mooren. Hierzu gibt es laufend neue Projekte. Besonders bemerkenswert: Die Bundesregierung hat jetzt – mit Zustimmung der EU-Kommission – ein Programm zur Wiedervernässung von 90 000 Hektar Land vorgestellt, was mit 1,75 Milliarden Euro von der Regierung gefördert wird. Es bleibt also spannend in der Wasserwirtschaft, und bei allen Routinen im Betrieb kommen stets und laufend neue Entwicklungen, mit denen sich die Fachleute an ihrem jeweiligen Arbeitsort auseinandersetzen müssen. Hier helfen besonders die Angebote der DWA – der gemeinsame Erfahrungsaustausch in den Nachbarschaften, das umfangreiche Bildungsangebot der DWA und – ganz aktuell – der neue DWA-Hub, der am Eröffnungstag der IFAT freigeschaltet wurde: www.dwahub.de. Der Hub soll künftig, ab sofort, der zentrale digitale Treffpunkt mit exklusiven Informationen für DWA-Mitglieder und alle, die sich fachlich vernetzen möchten, sein. Viel Spaß beim Ausprobieren und bei der Arbeit damit. Flächenpotenzialanalyse für dezentrale Versickerungsmaßnahmen. Zwei weitere Beiträge, einer davon ein Arbeitsbericht von der DWA-Arbeitsgruppe SR-2.6, setzen sich ausführlich mit der Modellierung von Blau-Grünen Infrastrukturen und den dabei verwendeten Modellansätzen auseinander. Das aktuelle Geschehen scheint über die IFAT – ob mit oder ohne den Zusatz „Munich“ – etwas in den Hintergrund getreten zu sein, wobei Politik, Gesetzgeber, Forschungseinrichtungen und andere Institutionen bestimmt keine „Messepause“ einlegen. Bemerkenswert und wohl zu erwarten ist, dass viele Arzneimittelhersteller Rechtsmittel eingelegt haben, nachdem es das Europäische Gericht im Februar 2026 abgelehnt hatte, sich mit 14 Klagen europäischer Pharmaunternehmen inhaltlich zu befassen. Die Unternehmen wollen klären lassen, ob die erweiterte Herstellerverantwortung auf Humanarzneimittel in der Form wie in der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie festgelegt anwendbar ist, sprich, ob die Hersteller von Humanarzneimitteln und Kosmetika mindestens 80 Prozent der Kosten für Bau und Betrieb von vierten Reinigungsstufen in kommunalen Kläranlagen tragen müssen. Ein weiteres Thema von besonderer Aktualität ist Cybersicherheit und die NIS-2Richtlinie: Sind kommunale Eigenbetriebe von den Vorgaben des NIS-2-Umsetzungsgesetzes betroffen? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt dazu Hinweise auf seiner Website (Seite 296 in diesem Heft). In diesem Zusammenhang mögen auch Initiativen zum Umgang mit komplexen Krisenszenarien wichtig und interessant sein, zum Beispiel: Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS hat das SIRIOS Lab in Berlin offiziell eröffnet. In der neuen Forschungs- und Demonstrationsumgebung werden komplexe Sicherheitsszenarien in einer simulierten Systemumgebung ganzheitlich erlebbar – vom Ausfall kritischer Infrastrukturen über Evakuierungsmaßnahmen bis hin zur Krisenkommunikation. Das war die IFAT Munich 2026 im Mai: Rund 3400 Aussteller aus 60 Ländern und Regionen, 142 000 Besucher*innen, 300 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Wobei die von der Messe München genannten 142 000 Besucher wohl nicht mit 142 000 unterschiedlichen Personen gleichzusetzen sind, aber hierzu gibt es – wie soll es anders sein – ein Regelwerk und eine Prüfinstanz, die Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen. Details sollen uns an dieser Stelle nicht interessieren. Merken wir uns lieber, dass die nächste IFAT in München vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 stattfindet und wie gewohnt die Weltleitmesse der Branche sein wird. Die DWA jedenfalls bot auch in diesem Jahr wieder ein abwechslungsreiches, informatives und unterhaltsames Programm auf der IFAT Munich an: zahlreiche technisch-wissenschaftliche Foren, international besetzte Hochschul- und Berufswettbewerbe sowie die bereits traditionellen Angebote auf den beiden DWA-Ständen in der Eingangshalle West und in Halle B2. Wie an dieser Stelle im Lauf der Jahre immer wieder erwähnt: Für in der Wasserwirtschaft Tätige gibt es, bei aller Bedeutung der Veranstaltung, nicht nur die IFAT, sondern das Leben und die Tätigkeit der Wasserwirtschaftsbetriebe läuft ununterbrochen weiter. Ein Highlight kurz vor der IFAT aus Sicht der DWA war die Vorstellung und Diskussion des neuen DWA-Politikmemorandums in Berlin. Die DWA fordert die Bundespolitik auf, die Weichen für eine zukunftssichere Wasserwirtschaft zu stellen und Resilienz als Leitlinie der Wasserpolitik zu verankern. Rechtliche Rahmenbedingungen und die Sicherung der Finanzierung müssen konsequent daran ausgerichtet werden, betont die DWA in ihrem Politikmemorandum 2026. Der Schwerpunkt bei den Fachbeiträgen in dieser Ausgabe liegt auf der wasserbewussten Siedlungsentwicklung. In zwei Beiträgen geht es um GIS-basierte Verfahren – einmal zur Verortung von blau- grünen Maßnahmenkombinationen zur Klimaanpassung und einmal um eine Frank Bringewski
w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 6 | www.dwa.info/KW 294 Beiträge in KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 6/2026 Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe SR-2.6 „Abfluss- und Schmutzfrachtsimulation“: Modellierung von Blau-Grünen Infrastrukturen. HSG Sim – Hochschulgruppe Simulation, AG Blau-Grüne Infrastruktur: Eignung und Grenzen von Modellansätzen zur Abbildung Blau-Grüner Infrastrukturen A. Seer, M. Barjenbruch, C. Wilhelm: Resilienzbewertung abwassertechnischer Anlagen gegenüber Fällmittelengpässen Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe IG-5.2: Schwer fällbare Phosphorverbindungen in industriellen Abwässern – Teil 1: Vorkommen, Umgang und Ersatzstrategien Inhalt Editorial Von IFAT, Politik, Cyber Security, wasserbewusster Siedlungsentwicklung und mehr . . . . . . . . . . . . ............. 293 Frank Bringewski Berichte DWA-Politikmemorandum: Resilienz stärken, Zukunft gestalten Pragmatische Umsetzung der Kommunal- abwasserrichtlinie und verlässliche Rahmen- bedingungen für die Klimaanpassung . . . . . . . . . . ........... 302 Ausstellung „Mission Aqua“ eröffnet Mehr Wissen übers Wasser für besseren Ressourcenschutz . . . . . . . . . . . . . .............. 304 Feuchttücher, Medikamente – große Aufregung im Abwasserrohr Mit Papiertheater Kinder für Wasser begeistern . . . . . . ....... 306 Stefan Bröker Junge DWA Berlins Wasserwirtschaft hat für den Nachwuchs viel zu bieten! . . . . . . . . . . ........... 308 Anke Soppert und Sophia Nerrether Wasserbewusste Siedlungsentwicklung Ableitung und Verortung von blau-grünen Maßnahmenkombinationen zur Klimaanpassung . . . . ...... 310 Mareike Lewe (Wuppertal), Birgitta Hörnschemeyer, Malte Henrichs (Münster) GIS-basierte Flächenpotenzialanalyse für dezentrale Versickerungsmaßnahmen . . . . . . . . ......... 317 Svenja Kriegebaum, Michel Gunkel, Regina Gnirss (Berlin) Modellierung von Blau-Grünen Infrastrukturen Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe SR-2.6 „Abfluss- und Schmutzfrachtsimulation“ . . . . . . . . .......... 322 Eignung und Grenzen von Modellansätzen zur Abbildung Blau-Grüner Infrastrukturen . . . . . . . ......... 330 Katharina Fuchs (Hannover), Fabian Funke (Innsbruck, Österreich), Birgitta Hörnschemeyer (Münster), Saphira Schnaut (Düsseldorf), Philipp Staufer (Zürich, Schweiz) DWA Regelwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................ 337 Politikberatung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..................... 340 Landesverbände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..................... 341 IFAT 2026 IFAT Munich 2026: Umwelttechnologien werden zur globalen Schlüsselindustrie 142 000 Besucher und 3400 Aussteller . . . . . . . . . . ........... 346 Beide Verbandszeitschriften – KA und KW – auch online lesen: https://www.dwadirekt.de 6|26 Seite 304 Im DBU Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) in Osnabrück wurde am 15. April 2026 die interaktive Ausstellung „Mission Aqua“ eröffnet. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Bundestiftung Umwelt (DBU), DWA und DVGW. Sie soll im Weiteren bundesweit gezeigt werden.
w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 6 | www.dwa.info/Zeitschriften 295 Rubriken Spektrum �����������������������������������������������������������������������������������296 Impressum ���������������������������������������������������������������������������������320 Personalien ���������������������������������������������������������������������������������342 Bücher �����������������������������������������������������������������������������������������344 Industrie und Technik �������������������������������������������������������������345 Ingenieurbüros �������������������������������������������������������������������������347 Beilagenhinweis ��������������������������������������������������������������303 KW 7/2026 Anzeigenschluss: 9. Juni 2026 Erscheinungstermin: 2. Juli 2026 KW 8/2026 Anzeigenschluss: 14. Juli 2026 Erscheinungstermin: 5. August 2026 Abonnieren Sie den monatlichen Themenplan kostenlos auf www.dwa.info/ThemenKW Korrespondenz Wasserwirtschaft Seite 310 Es wird eine GIS-basierte Methodik zur Ableitung und Verortung von geeigneten blau-grünen Maßnahmen im Siedlungsgebiet entwickelt und exemplarisch angewendet. Die Ergebnisse weisen das Potenzial zur strategischen Maßnahmenverortung aus, zeigen jedoch ebenso die Relevanz einer orientierenden Ausweisung des Zielzustands sowie dessen Erfolgskontrolle. 5 Jahre nach der Flut im Ahrtal Landschaftswasserhaushalt Seite 302 Am 20. April 2026 hat die DWA im Rahmen des DWA-Dialogs zum Gewässerschutz ihr neues Politikmemorandum an das Bundesumweltministerium und an die wasserpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Bundestagsfraktionen übergeben und diskutiert. Die DWA fordert die Bundespolitik auf, die Weichen für eine zukunftssichere Wasserwirtschaft zu stellen und Resilienz als Leitlinie der Wasserpolitik zu verankern. Seite 317 Um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, ist ein Städteumbau erforderlich. Zur Unterstützung der notwendigen Planungsprozesse wurde ein GIS-basierter Ansatz zur Identifikation von Potenzialflächen für dezentrale Versickerungsmaßnahmen im urbanen Raum am Beispiel Berlins entwickelt. Foto: AQUANET Berlin Brandenburg Seite 322 Ein Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe SR-2.6 soll ein grundlegendes Verständnis des Konzepts Blau-Grüne Infrastruktur (BGI) in der Siedlungsentwässerung und dessen Modellierung vermitteln. Foto: Fraunhofer IGB Seite 330 Um die Eignung unterschiedlicher Modellansätze zur Abbildung von Blau-Grüner Infrastruktur (BGI) zu untersuchen und um Lücken in der Prozessabbildung aufzuzeigen, wurden sieben Modellansätze iterativ für verschiedene Anwendungsfälle der Siedlungsentwässerung bewertet. Hierbei wurden die jeweiligen räumlichen Skalen berücksichtigt. Foto: Bezirksamt Hamburg-Altona Seite 346 Rund 3400 Aussteller und etwa 142 000 Besucher waren auf der IFAT Munich vom 4. bis 7. Mai 2026 präsent. Unternehmen aus rund 60 Ländern und Regionen zeigten auf 300 000 Quadratmetern innovative Lösungen für Wasser, Recycling und Circularity. Foto: Messe München GmbH
Spektrum 296 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 6 | www.dwa.info/KW Grundlage sind die Bewirtschaftungs- und Düngedaten der Betriebe. Damit soll flächendeckend überprüft werden, wie sich die Düngung auf die Gewässer auswirkt. Für das Monitoring soll so weit wie möglich auf Daten zurückgegriffen werden, die bereits von der Verwaltung erhoben werden oder bereits von den Betrieben zu dokumentieren sind. Ziel ist es, zusätzlichen Aufwand möglichst zu vermeiden. Da mehrere Behörden involviert sein werden, sieht der Gesetzentwurf vor, unnötige Bürokratie zu verhindern: Entgegen der Regel sollen die eingebundenen Behörden die betreffenden Daten austauschen dürfen. Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, hat die Bundesregierung bereits im Juli 2025 die Stoffstrombilanzierung aufgehoben. Entsprechend werden die bisherigen Regelungen dazu auch im neuen Düngegesetz gestrichen. Das soll Recht und Verwaltung erheblich vereinfachen. Mit ihrem Gesetzentwurf kommt die Bundesregierung ihren Zusagen gegenüber der EU-Kommission nach. Für die Umsetzung der EU-Nitratrichtline hat sie verbindlich zugesagt, ein erweitertes Monitoring einzurichten. Mit dem Gesetz werden außerdem die nationalen Rechtsgrundlagen zur Durchführung der EU-Düngeprodukteverordnung geschaffen. Dazu gehört das Einrichten und Überwachen von Konformitätsbewertungsstellen, die EU-Düngeprodukte zertifizieren. w Neues Förderprogramm zur Wiedervernässung von Mooren Bundesumweltminister Carsten Schneider hat am 17. April 2026 ein neues Förderprogramm vorgestellt, das in den nächsten Jahren die Wiedervernässung von 90 000 Hektar Land ermöglichen soll. Das Besondere daran ist nicht nur die Größenordnung, sondern auch der Ansatz: Auf diesem Land soll weiter Land- und Forstwirtschaft betrieben werden, nur eben anders als bisher. Für die Umstellung stellt die Bundesregierung bis Ende 2029 rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Das Programm beruht auf Freiwilligkeit. Es wird mit erheblichem Interesse aus Land- und Forstwirtschaft gerechnet, denn trockengelegte Moorböden lassen sich auf Dauer nicht gut bewirtschaften. Die EU-Kommission hat das Förderprogramm einige Tage vorher genehmigt. Das neue Förderprogramm fördert Planung und Durchführung der Wiedervernässoziotechnischer Systeme“, das heißt das sichere Zusammenspiel von Menschen und Technologien in einer modernen Gesellschaft. https://www.fokus.fraunhofer.de/de/espri/ sirios_lab.html w Schadnagerbekämpfung: Abgabe von Bioziden gestiegen Die Abgabemenge antikoagulanter Rodentizide, die bei der Bekämpfung von Schadnagern wie Ratten eingesetzt werden, ist in den letzten drei Jahren gestiegen. Laut einer Antwort der Bundesregierung (Bundestags-Drucksache 21/5567) auf eine Kleine Anfrage wurde der Bundesstelle für Chemikalien im vergangenen Jahr die Abgabe von 3150,67 Tonnen Rodentizide mit Antikoagulantien der zweiten Generation mitgeteilt. 2024 wurde die Abgabe von 2642,89 Tonnen gemeldet, 2023 waren es 1911,61 Tonnen. Antikoagulante, also blutgerinnungshemmende, Rodentizide der zweiten Generation sind Biozidprodukte, die laut der Antwort der Bundesregierung „diverse bedenkliche Eigenschaften“ haben. Es handele sich um PBT-Stoffe, die schlecht abbaubar und toxisch sind und sich zudem in der Nahrungskette anreichern. Zudem seien sie fortpflanzungsschädlich, heißt es in der Antwort. Daher dürften sie nach EUBiozidverordnung nur ausnahmsweise und für begrenzte Dauer zur Verwendung zugelassen werden. https://dserver.bundestag.de/ btd/21/055/2105567.pdf w Beschluss des Bundeskabinetts: Düngerecht wird überarbeitet Die Bundesregierung hat eine neues Düngerecht beschlossen. So sollen Grundwasser, Flüsse und Meere vor schädlichen Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft besser geschützt werden. Die Nitratbelastung soll dabei wirksam verringert werden. Gleichzeitig bleibt Düngen weiterhin möglich, so das Kabinett in einer Mitteilung. Langfristig will die Bundesregierung im Einklang mit dem maßgeblichen EU-Recht ein System der Düngung schaffen, das besonders gewässerschonende Betriebe entlastet. Wer dagegen das Grundwasser belastet, wird stärker in die Pflicht genommen. Dafür will die Bundesregierung ein bundesweites Monitoring einführen. Die Cybersicherheit/NIS-2Richtlinie: Betroffenheit kommunaler Betriebe Sind kommunale Eigenbetriebe von den Vorgaben des NIS-2-Umsetzungsgesetzes betroffen? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schreibt dazu auf seiner Website: „Kommunale Eigen- und Regiebetriebe unterliegen regulär der Aufsicht ihrer Gemeindevertretung oder der zuständigen Verwaltung. Da für sie vorrangig Landesrecht gilt, fallen sie normalerweise nicht unter das NIS-2-Umsetzungsgesetz und damit auch nicht unter die Aufsicht des BSI. Anders verhält es sich jedoch, wenn diese Betriebe kritische Anlagen betreiben oder die Schwellenwerte für wichtige (wE) beziehungsweise besonders wichtige Einrichtungen (bwE) überschreiten. In diesem Fall fallen sie trotz ihrer kommunalen Einbindung in den Anwendungsbereich des NIS2-Umsetzungsgesetzes bzw. des BSIG. Damit wird das BSI zur zuständigen Aufsichtsbehörde. Das Gesetz sieht in § 28 BSIG ausdrücklich vor, dass auch rechtlich unselbstständige Organisationseinheiten als Betreiber gewertet werden können.“ https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/ Regulierte-Wirtschaft/NIS-2-regulierteUnternehmen/nis-2-regulierteunternehmen_node.html w Demonstrationsraum und Forschungslabor für komplexe Krisenszenarien eröffnet Ende März 2026 hat das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS das SIRIOS Lab in Berlin offiziell eröffnet. In der neuen Forschungs- und Demonstrationsumgebung werden komplexe Sicherheitsszenarien in einer simulierten Systemumgebung ganzheitlich erlebbar – vom Ausfall kritischer Infrastrukturen über Evakuierungsmaßnahmen bis hin zur Krisenkommunikation. Mithilfe digitaler Gebäude- und Infrastrukturzwillinge, gekoppelter Simulationen und interaktiver Visualisierungen entsteht eine Umgebung, in der Einsatzorganisationen, Verwaltung, Wissenschaft und Betreiber kritischer Infrastrukturen neuartige Methoden und Technologien realitätsnah testen können. Das SIRIOS Lab ist ein Zusammenschluss der Fraunhofer-Institute EMI (Freiburg), FOKUS (Berlin), IOSB (Karlsruhe) und IVI (Dresden). SIRIOS steht dabei für die „Sicherheit
Spektrum 297 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 6 | www.dwa.info/Zeitschriften rin im Auftrag des Bundesumweltministeriums betreut. Mit der Förderung über die neue Förderrichtlinie „Auenrenaturierung an Fließgewässern“ lassen sich zum Beispiel wichtige Flächen ankaufen, bisher abgeschnittene Gewässerarme (Altarme) wieder aufbaggern, oder Drainagen und Deiche, die die Landschaft künstlich austrocknen, um- oder zurückbauen. Damit soll auf natürliche Weise Kohlenstoff in der Landschaft gebunden, die Nitratbelastung gesenkt und so der Treibhausgasausstoß verringert werden. Förderfähig sind Vorhaben auf Auenflächen von Fließgewässern, die nicht zu den Bundeswasserstraßen zählen. Damit werden gezielt Maßnahmen an kleineren Flüssen gefördert, um auch den Zustand von Nebengewässern zu verbessern und Landschaften insgesamt lebendig zu halten. Förderprogramm Renaturierung von Auen an Fließgewässern: www.z-u-g.org/ank-auen Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK): www.bundesumweltministerium.de/natuerlicher-klimaschutz w Plattform zur Bürgerbeteiligung zum Nationalen Wiederherstellungsplan gestartet Bis zum 25. Juni 2026 haben Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, den Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans (NWP) zu kommentieren. Ziel ist es, die biologische Vielfalt zu erhalten und geschädigte Lebensräume wiederherzustellen. Bis 2030 sollen auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresfläche, die der Wiederherstellung bedürfen, Maßnahmen ergriffen werden, um natürliche Lebensräume in Deutschland zu erhalten und zu entwickeln. Gemäß EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ist jeder EU-Mitgliedstaat aufgefordert, bis September 2026 einen sogenannten Nationalen Wiederherstellungsplan (NWP) einzureichen. https://beteiligung.bundesumweltministerium.de/de/nationaler-wiederherstellungsplan w Bundeskabinett: Gesetzentwurf zum besseren strafrechtlichen Schutz der Umwelt beschlossen Die Bundesregierung will den strafrechtlichen Schutz der Umwelt verbessern. So sollen künftig in besonders gravierenden sung, kompensiert Wertverluste bei Grundeigentum und Nutzung. Außerdem unterstützt es den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten und Produkte aus Pflanzen, die im Moor wachsen: von Fasern für Papiere und Kartonagen über Dämmmaterialen bis zu Baumaterialien und vieles mehr. Mit dem neuen Förderangebot werden nun erstmals alle notwendigen Schritte bei der Wiedervernässung und der Etablierung von nassen Bewirtschaftungsformen in insgesamt vier Fördermodulen abgebildet. Der modulare Ansatz ermöglicht eine schrittweise Antragsvorbereitung und Antragstellung und dann Umsetzung von Vorhaben ab fünf Hektar Fläche unter Berücksichtigung der regionalen und individuellen Besonderheiten. Erstmalig werden neben den Ertragsverlusten bei den Flächenbewirtschaftern auch die Flächeneigentümer für die Wertverluste als Folge der Wiedervernässung kompensiert. Starten wird das Förderprogramm mit einigen großflächigen modellhaften Vorhaben ab mindestens 5000 Hektar Moorbodenfläche. Die Förderangebote richten sich an alle, die für eine dauerhafte Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden zusammenwirken müssen. Förderrichtlinie „Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung landund forstwirtschaftlich genutzter Moorböden und zur Unterstützung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung wiedervernässter Moorbodenflächen“ (Förderrichtlinie Palu): https://www.bundesumweltministerium. de/DL3486 Informationen zum Förderprogramm Palu: https://www.bundesumweltministerium. de/FG43 w EU-Kommission: Polen soll das Ökosystem der Oder wiederherstellen Die Europäische Kommission hat beschlossen, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen einzuleiten, weil das Land nach Auffassung der Kommission seinen Verpflichtungen nach der der Wasserrahmenrichtlinie, der Industrieemissionsrichtlinie, der Habitat-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie nicht ordnungsgemäß nachgekommen ist. Polens Gewässer, Lebensräume und Arten verschlechtern sich zunehmend, wie sie sich beispielsweise im Sommer 2022 durch die Ausbreitung einer giftigen Algenart in der Oder zeigte, die zu einem massiven Fischsterben führte, so die Kommission. Die Wiederherstellung und der Schutz des Wasserkreislaufs gehören zu den zentralen Zielen der Wasserresilienzstrategie. Im Sommer 2022 kam es zur Ausbreitung einer giftigen Algenart, der sogenannten „Goldalgen“, die auf einer Strecke von 500 Kilometern zum Tod von Wasserlebewesen, einschließlich über 360 Tonnen Fisch, führten. Der hohe Salzgehalt der Oder sowie hohe Nährstoffkonzentrationen sind die beiden Hauptfaktoren für die Ausbreitung der Algenart. Im Sommer 2024 wurden im Einzugsgebiet der Oder erneut über 100 Tonnen Fisch tot aufgefunden, da die „Goldalgen“ weiterhin im Einzugsgebiet der Oder vorkommen und der Salzgehalt des Wassers nach wie vor hoch ist. Polen hat Einleitungen von salzhaltigem Grubenwasser in den Fluss genehmigt, obwohl deren negative Folgen für den Wasserzustand bekannt waren. Die von Polen ergriffenen Maßnahmen reichten nicht aus, um die weitere Verschlechterung aufzuhalten und den guten Zustand der Gewässer wiederherzustellen. Polen habe es zudem versäumt, die erforderlichen Maßnahmen zur Wiederherstellung der geschützten Lebensräume und Arten wie Bitterling und Steinbeißer entlang des Flusses zu ergreifen. Schließlich habe Polen einen Bewirtschaftungsplan für das Einzugsgebiet angenommen, ohne die Umweltkatastrophe vom Sommer 2022 und ihre Auswirkungen zu berücksichtigen. Die Kommission übermittelt daher ein Aufforderungsschreiben an Polen, das dann zwei Monate Zeit hat, um zu antworten und auf die vorgebrachten Beanstandungen zu reagieren. Andernfalls kann die Kommission beschließen, eine mit Gründen versehene Stellungnahme an das Land zu richten. w Mehr Raum für Flüsse und Auen: Neues Förderprogramm stärkt natürlichen Hochwasser- und Klimaschutz Das Bundesumweltministerium (BMUKN) startet ein neues Förderprogramm zur Renaturierung von Auen an kleineren Flüssen. Damit soll wieder mehr Leben in Auenlandschaften zurückkehren. Die neue Förderrichtlinie ist Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK). Insgesamt stehen zunächst 59 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Projektskizzen können bei der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH eingereicht werden, die das Förderprogramm als Projektträge
Spektrum 298 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 6 | www.dwa.info/KW de ein staatliches Hochwasserschutzprogramm aufgelegt, um einen angemessenen und am Schadenspotenzial ausgerichteten öffentlichen Hochwasserschutz schrittweise umzusetzen. Der Freistaat unterstützt zudem die Erstellung von Konzepten sowie Maßnahmen des Hochwasserschutzes an Gewässern zweiter Ordnung in kommunaler Zuständigkeit. Dabei wurden bisher kommunale Hochwasserschutzmaßnahmen mit einem Volumen von 173,5 Millionen Euro (ohne Schadensbeseitigung) unterstützt. Die 76 fertiggestellten und 45 derzeit bearbeiteten kommunalen Hochwasserrisikomanagementpläne wurden mit 6,6 Millionen Euro gefördert. Im Rahmen des sächsischen und des Nationalen Hochwasserschutzprogramms setzt der Freistaat auch Maßnahmen zum naturnahen Hochwasserschutz um – beispielsweise durch Gewässeraufweitungen, Renaturierungsmaßnahmen, Wiederanbindung an natürliche Rückhalteräume oder den Um- bzw. Rückbau von Querbauwerken und Ufermauern. w Pumpspeicherwerk Niederwartha bleibt technisch stillgelegt Das Pumpspeicherwerk (PSW) Niederwartha in Sachsen hat keine Zukunft in Dresdens Energieinfrastruktur. Das hat nach Mitteilung des kommunalen Energieversorgers SachsenEnergie eine Expertenanhörung zur künftigen Nutzung des PSW Anfang März 2026 nochmals deutlich gemacht. Laut der Expertem wäre eine Wiederaufnahme des Betriebs als Stromspeicher wirtschaftlich unverantwortlich und in einem hohen Maß ineffizient. In den vergangenen Jahren hatte die SachsenEnergie alle in Frage kommenden Optionen für die betriebliche Nachnutzung des Speichers von Vattenfall bereits intensiv geprüft. Dazu gehörten eine mögliche Sanierung der Anlagentechnik und der Bauwerke sowie die Prüfung der beiden Optionen Instandsetzung oder Neubau. Unter Beachtung des Denkmalschutzes müssten über 245 Millionen Euro aufgebracht werden für einen vergleichsweise ineffizienten Speicher mit geringem Wirkungsgrad. Ebenso bestätigten die Fachexperten aus Wissenschaft und Wirtschaft, dass moderne Batteriespeicher technisch grundsätzlich für die Speicherung des Stroms aus erneuerbaren Quellen besser geeignet sind. Fällen von Umweltkriminalität höhere Strafmaße möglich sein. Überdies sollen die Strafverfolgungsbehörden mehr Ermittlungsbefugnisse erhalten in Fällen von besonders schweren Umweltstraftaten. Beispielsweise sollen die Behörden in diesen Fällen erstmals auf verdeckte Ermittlungsmaßnahmen wie die Telekommunikationsüberwachung zurückgreifen können. Auch sollen die Vorschriften für Geldbußen gegen Unternehmen verschärft werden. Diese und weitere Änderungen der umweltrechtlichen Strafvorschriften sind in einem Gesetzentwurf vorgesehen, den das Bundeskabinett am 29. April 2026 beschlossen hat. Der Gesetzentwurf dient auch der Umsetzung der neuen europäischen Richtlinie zum strafrechtlichen Schutz der Umwelt. Der Gesetzentwurf wurde vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium sowie mit enger Einbindung des Bundesinnenministeriums erarbeitet. Er sieht vor allem folgende Änderungen vor: In Fällen, in denen vorsätzlich katastrophale Folgen für die Umwelt hervorgerufen werden (zum Beispiel eine Ölpest), soll zukünftig ausdrücklich eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr gelten. In allen Tatbeständen, die die Gefährdung oder Schädigung bestimmter sogenannter Umweltmedien sanktionieren, soll das „Ökosystem“ als weiteres Umweltmedium aufgenommen werden. Zur Umsetzung der Sanktionsvorgaben der Richtline für juristische Personen soll im Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (OWiG) der Höchstbetrag der Verbandsgeldbuße im Fall von vorsätzlichen Straftaten einer Leitungsperson von derzeit zehn auf künftig 40 Millionen Euro angehoben werden. Im Falle einer fahrlässigen Straftat soll der Höchstbetrag der Verbandsgeldbuße von derzeit fünf auf künftig 20 Millionen Euro erhöht werden. https://www.bmjv.de/SharedDocs/ Gesetzgebungsverfahren/DE/2025_Umweltstrafrecht.html w Neue Webseite zum Wassermanagement in der Lausitz online Die Strategische Arbeitsgruppe Flussgebietsbewirtschaftung für Spree, Schwarze Elster und Lausitzer Neiße hat den Start einer neuen Webseite zum Wassermanagement in der Lausitz beschlossen. Ziel der Plattform ist es, zentrale Informationen zu bündeln, den aktuellen Stand der Arbeiten der Arbeitsgruppe nachvollziehbar darzustellen und damit die Öffentlichkeit frühzeitig einzubinden. Mit der Fertigstellung des wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzepts Lausitz wird derzeit für das Jahr 2028 gerechnet. Das länderübergreifende Gremium vereint die für die Wasserwirtschaft zuständigen Ministerien und Behörden aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Im Fokus der Arbeitsgruppe steht eine der größten umwelt- und strukturpolitischen Herausforderungen der Region: die tiefgreifenden Auswirkungen des Braunkohlebergbaus und des beschlossenen Kohleausstiegs auf den Wasserhaushalt. https://www.wassermanagement-lausitz. de w Sächsisches Hochwasserschutzprogramm wird fortgeschrieben Sachsen wird künftig verstärkt in die Instandhaltung, Ertüchtigung und Sanierung der bestehenden Hochwasserschutzanlagen im Freistaat investieren. Das hat das Kabinett am 21. April 2026 mit der Fortschreibung des Sächsischen Hochwasserschutzprogramms beschlossen. Mit Blick auf die in den kommenden Haushaltsjahren zur Verfügung stehenden Finanzmittel sieht das Programm außerdem vor, Investitionen in den Neubau von Anlagen zugunsten des Bestandserhalts zu verringern. Das Hochwasserschutzprogramm wurde nach den massiven Schäden infolge mehrerer Hochwasserereignisse seit 2002 aufgestellt. Es umfasst 749 zum Teil hochkomplexe Maßnahmen, von denen 594 Vorhaben bereits durch die Landestalsperrenverwaltung umgesetzt oder beendet wurden. Gegenwärtig befinden sich 26 Maßnahmen im Bau. Von den weiteren 129 geplanten Vorhaben sind 48 für eine weitere Umsetzung vorgesehen. Sachsen hat seit dem Jahrhunderthochwasser 2002 insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro für Maßnahmen der nachhaltigen Schadensbeseitigung an Gewässern und Maßnahmen des öffentlichen Hochwasserschutzes aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, aus Mitteln des Bundes und der Länder sowie aus Landesmitteln umgesetzt. Auf der Grundlage der 2003 bis 2005 erstellten Hochwasserschutzkonzepte (HWSK) für Gewässer erster Ordnung und die Elbe wur
Spektrum 299 w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2026 (19) · Nr. 6 | www.dwa.info/Zeitschriften Besonders nachteilig ist die die topografische Lage des über 90-jährigen Standorts: die Fallhöhe des Wassers beträgt nur 140 Meter, und gleichzeitig sind die Triebwasserleitungen mit 1,8 Kilometern sehr lang. Dieses ungünstige Verhältnis von geringer Fallhöhe und langer Triebwasserleitung vermindert den Wirkungsgrad der Anlage massiv, auch bei Einsatzmodernster Maschinentechnik. Während der Wirkungsgrad eines modernen Batteriespeichers bei 90 Prozent liegt, erreicht das PSW Niederwartha nur 70 Prozent. Dementgegen steht der hohe finanzielle Aufwand: Die Ertüchtigung oder der Neubau des PSW Niederwartha würde das Doppelte von dem kosten, was für den Bau eines neues Batteriespeichers mit modernen Technologien nötig wäre. Gegen den Weiterbetrieb des PSW spricht auch die Hochwassergefahr im Überschwemmungsgebiet, die einen sicheren Netzbetrieb unmöglich macht. 2002 wurden die Anlage und das nahegelegene Umspannwerk beim Elbehochwasser stark beschädigt. Auch deshalb wurde diese Anbindung an das Höchstspannungsnetz inzwischen zurückgebaut. Das PSW Niederwartha ist in Besitz des schwedischen Energieversorgers Vattenfall und wurde 1929 in Betrieb genommen. Im Frühjahr 2024 hat Vattenfall das PSW Niederwartha offiziell stillgelegt. Der schwedische Energieversorger ist weiterhin der Eigentümer. w Großer Wellenströmungskanal: Künstliche Tsunamis für reale Sicherheit Im Großen Wellenströmungskanal GWK+ der Universitäten Braunschweig und Hannover haben Wissenschaftler*innen Tsunami-Wellen erzeugt. Damit wollen sie untersuchen, wie sich die Wassermassen auf Bauwerke auswirken. Ziel ist es, die Folgen solcher Extremereignisse besser vorhersagen und Schäden künftig reduzieren zu können. Im Projekt „AngryWaters“ wollen die Wissenschaftler*innen ein Simulationswerkzeug entwickeln, das für Extremereignisse wie einen Tsunami oder auch eine Sturzflut wie im Ahrtal zuverlässigere Vorhersagen ermöglicht: Wie weit dringt Wasser in bebaute Gebiete ein? Wie schnell steigt der Wasserstand? Welche Auswirkungen haben bei der Überflutung die einstürzenden Gebäude auf die Strömungsdynamik? Die Wellenmaschine erzeugt lange Wellen, die sich über den GWK+ ausbreiten, sich über einer Böschung aufbauen, brechen und dann über eine horizontale Plattform auslaufen. So ähnlich könnte das Überflutungsszenario einer Küstenstadt, über den Strand in die Küstenebene, aussehen. Über die gesamte Länge des 300-Meter-Kanals ist die Welle zunächst nicht erkennbar. Ähnlich wie bei einem echten Tsunami. https://www.tu-braunschweig.de/lwi/ hyku/forschung/projekte/angrywaters w Bayernweite Hinweiskarten zu Georisiken veröffentlicht Das Bayerische Umweltministerium baut die Vorsorge gegen Naturgefahren weiter aus: Nun stehen zum Schutz vor Georisiken Hinweiskarten für den gesamten Freistaat zur Verfügung. Der Geologische Dienst am Bayerischen Landesamt für Umwelt hat mit den jetzt abgeschlossenen Untersuchungen bereits vorliegende Informationen vervollständigt. Der Datensatz wird fortlaufend ergänzt und anlassbezogen aktualisiert. Wesentliche Planungsgrundlagen sind damit nun für ganz Bayern im Internet verfügbar. Die im UmweltAtlas veröffentlichten Hinweiskarten liefern wichtige Daten für Infrastruktur und Regionalplanung sowie für Bürgerinnen und Bürger. Georisiken sind transparent und kostenfrei dargestellt. Sie zeigen, wo Baugebietsausweisungen unbedenklich oder wo Schutzmaßnahmen für Straßen und Siedlungen notwendig sind. Zusammenfassend sind rund fünf Prozent der bayerischen Landesfläche als potenziell anfällig für Geogefahren-Prozesse eingestuft. Gefahrenhinweiskarten und Massenbewegungen Karten und Daten: Standortauskunft Geogefahren: www.gfa-news.de/gfa/webcode/ 20260413_001 w Schleswig-Holstein: 500 neue und sanierte Gewässer für den Amphibienschutz Bereits 500 Teiche wurden im Rahmen des Projekts „Froschland“ in Schleswig-Holstein so saniert, dass sich diese wieder zu guten Lebensräumen für Frösche und weitere Amphibien entwickeln können. Das teilte das Landesumweltministerium mit. Das Vorhaben läuft seit 2009. Das Angebot richtet sich dabei gezielt an private Flächeneigentümer, sodass ein weites Netz aus Gewässern entstehen kann, durch das die Frösche wieder frei wandern können. Die Idee des Froschland-Projekts war die Schaffung von 100 Amphibiengewässern. Ursprünglich verfolgte das Projekt das Ziel, Amphibiengewässer außerhalb von Naturschutzflächen, die als Trittsteinbiotope auf Flächen des Naturschutzes geschaffen wurden, miteinander zu vernetzen. Hierzu sollten zunächst Flächen im Umfeld Kiels und im Kreis Plön ausgewählt werden. Flächeneigentümern wurde die Möglichkeit geboten, auf ihren eigenen Flächen geeignete Gewässer zu schaffen oder vorhandene Gewässer amphibiengerecht zu sanieren. Schnell zeigte sich, dass dieser auf Freiwilligkeit basierende Ansatz sehr gut angenommen wurde. Aus diesem Grund wurde das Projekt landesweit ausgedehnt. Zahlreiche der neu geschaffenen und sanierten Gewässer wurden bald nach Abschluss der Arbeiten durch verschiedenste Amphibienarten besiedelt. w Baden-Württemberg: 265 Millionen Euro für die kommunale Wasserwirtschaft Das Umweltministerium von Baden-Württemberg investiert 2026 265 Millionen Euro in die Wasserwirtschaft der Städte und Gemeinden im Land. Die Fördermittel fließen in Projekte der Wasserversorgung, der Abwasserbeseitigung, in den Hochwasserschutz und die Gewässerökologie. In diesem Jahr gehen über 87 Millionen Euro in Maßnahmen der Wasserversorgung. Für den Abwasserbereich sind 107,6 Millionen Euro vorgesehen. Mit 70,8 Millionen Euro bezuschusst das Umweltministerium Maßnahmen für den Hochwasserschutz und die Gewässerökologie. w Betonbau: Rüsch-Forschungspreis 2027 ausgelobt Bis 1. September 2026 können junge Forschende des Bauingenieurwesens für den Rüsch-Forschungspreis 2027 benannt werden. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird seit 1983 alle zwei Jahre zum Andenken an Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Hubert Rüsch an „junge Forschende für eine Forschungsarbeit auf dem Gebiet des Betonbaus“ verliehen. Gestiftet wird der Preis vom Deutsche Beton- und Bautechnik-Verein e. V. (DBV). https://www.betonverein.de/ruesch- forschungspreis w
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