KW-2021-05

267 Spektrum www.dwa.de/KW w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2021 (14) · Nr. 5 Wohin verschwindet der Reifenabrieb? Der Frage nach dem Verbleib von Rei- fenabrieb gingen die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und die Bundes- anstalt für Straßenwesen (BASt) gemein- sam in einem Forschungsprojekt des BMVI-Expertennetzwerks nach. Die Er- gebnisse zeigen: Der Großteil des Ab- riebs verbleibt im Boden, circa 12 bis 20 Prozent können in Oberflächengewässer gelangen. Allein im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 48,5 Millionen Pkw- Reifen abgesetzt – so die aktuelle Schät- zung des Branchenverbands Reifenhan- del. Fahrzeugreifen bestehen etwa zur Hälfte aus vulkanisiertem Naturkaut- schuk oder synthetischem Gummi und enthalten darüber hinaus eine Vielzahl von Füllmitteln und anderen chemischen Zusatzstoffen. Der Abrieb von Autoreifen ist damit eine der größten Mikroplastik- quellen – deutlich vor Faserabrieb, der beim Waschen von Kleidung aus Kunstfa- sern entsteht. Bereits bekannt war, dass ein kleiner Anteil des Reifenabriebs von der Straße in die Luft gelangt (5 bis 10 Prozent), wo er zur Feinstaubbelastung beiträgt. Der Weg des weit größeren An- teils von rund 90 Prozent des Reifenab- riebes war bisher aber nicht im Detail ge- klärt. Nach Berechnungen von BASt und BfG gelangen jährlich 60000 bis 70000 Tonnen Reifenabrieb in den Boden und 8700 bis 20000 Tonnen in Oberflächen- gewässer. Die Forschungsarbeiten zei- gen, dass es maßgeblich darauf an- kommt, wo der Reifenabrieb entsteht: Auf Straßen in Ortschaften und Städten spült Regen den Reifenabrieb über kurz oder lang in die Kanalisation. Handelt es sich um ein Mischwassersystem mit Klär- anlage, werden dann mehr als 95 Pro- zent des Reifenabriebs zurückgehalten. An Straßen außerorts findet die Versicke- rung der Straßenabflüsse in der Regel über Bankett und Böschung statt. Der größte Teil des Reifenabriebs wird so in den straßennahen Boden eingetragen und von der oberen bewachsenen Bo- denzone zurückgehalten. Circa 12 bis 20 Prozent des Reifenabriebs können in Oberflächengewässern landen. Dort wird ein Teil der Partikel abgebaut bezie- hungsweise lagert sich im Sediment ab – die genauen Anteile sind allerdings noch nicht bestimmbar. In einer Modellstudie für das Einzugsgebiet der Seine und der Schelde fanden andere Autoren heraus, dass etwa 2 Prozent der ursprünglich freigesetzten Reifenabriebmenge in das Meer transportiert wird. Für Flüsse in Deutschland liegen noch keine Modell- rechnungen vor. W Neue Geodaten durch Radarbefliegung Das Wassermanagement an der deut- schen Nordseeküste wird stark von den Gezeiten beeinflusst. Für den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur wie der Schiff- fahrtsrinnen im Wattenmeer sowie für wasserbauliche, gewässerkundliche und ökologische Aufgaben werden hochauf- lösende Geodaten aller relevanten Ge- wässer benötigt. Dafür werden derzeit vor allem mittels Laserscan-Befliegung digitale Gelände- und Oberflächenmo- delle erstellt. Zur digitalen Erfassung der trockenfallenden Watt- und Vorlandflä- chen stehen allerdings nur kurze Zeit- fenster zur Verfügung. Um neue verbes- serte Ansätze für die Erfassung der Grundlagendaten zu erproben, wurde bereits 2018 das Forschungsprojekt Geo- WAM gestartet, das vom Bundesministe- rium für Verkehr und digitale Infrastruk- tur (BMVI) gefördert wird und noch bis 2022 läuft. Das Projektkonsortium setzt sich unter der Federführung des Karlsru- her Unternehmens Disy Informationssys- teme GmbH aus Fachbehörden, For- schungsinstitutionen und Universitäten zusammen und soll als Alternative zur Laserscan-Befliegung die flugzeugge- stützte InSAR-Technik (Interferometric Synthetic Aperture Radar) erproben und weiterentwickeln. Anhand interferomet- rischer Radardaten können hoch aufge- löste Höhenmodelle erstellt werden, wel- che die Grundlage für hydrologische Mo- dellierungen oder die Erkennung Küsten- schutz-relevanter 3D-Strukturen wie bei- spielsweise Bruchkanten bilden. Neben der Generierung von Höhenmodellen er- möglichen die Radardaten eine Informa- tionsgewinnung bezüglich der Landbe- deckung. Mittels KI-gestützter Klassifika- tionsverfahren lassen sich verschiedene Landbedeckungsklassen oder auch spezi- fische Objekte wie beispielsweise Mu- schelbänke identifizieren. So führt das Projektkonsortium von GeoWAM drei Radarbefliegungen durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) durch. Dabei werden Testdaten für zwei Pilotregionen an der Küste erho- ben und mit neuen Algorithmen verar- beitet. Die resultierenden Geodaten wer- den mit im Projekt erhobenen Referenz- daten validiert, immer wieder in ihrer Qualität beurteilt, verbessert und an kon- kreten Fragestellungen erprobt. Diese Aufgabe übernehmen die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und der Nie- dersächsische Landesbetrieb für Wasser- wirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Aber auch potenzielle Anwen- derinnen und Anwender dieser neuen Geodaten sollen ihre Anforderungen aus der Praxis einbringen. Weitere Informationen: ● www.disy.net/geowam ● www.geowam.net W Aufruf zum IFWW-Förderpreis 2022 Das Institut zur Förderung der Wassergü- te- und Wassermengenwirtschaft e. V. (IFWW) lobt auch für 2022 wieder einen Preis zur Förderung des wissenschaftli- chen Nachwuchses aus. Dabei werden Arbeiten ausgezeichnet, die sich mit in- novativen Methoden oder Verfahren bzw. neuen Erkenntnissen in den Bereichen Trinkwasser, Grundwasser, Gewässer- schutz, Flussgebietsmanagement, Ab- wasser und Abfall/ Altlasten befassen. Der Förderpreis wird für zwei Kategorien ausgeschrieben: ● Promotionen ● Diplom- oder Masterarbeiten. Die Bewerberinnen und Bewerber kön- nen die Arbeiten an Universitäten/Hoch- schulen, Fachhochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen in Deutschland angefertigt haben. Zugelassen sind auch Gemeinschaftsarbeiten. Die Arbeiten dürfen nicht älter als zwei Jahre sein und müssen abgeschlossen sein. Der Förder- preis ist mit insgesamt 4000 Euro dotiert und wird im Rahmen der 55. Essener Ta- gung verliehen. Einsendeschluss für die Bewerbung ist der 30. September 2021. Die Bewer- bungsunterlagen sind über das Internet und die IFWW-Geschäftsstelle zu bezie- hen: IFWW, c/o Niersverband Am Niersverband 10, 41747 Viersen E-Mail: wilfried.manheller@ifww-nrw.de www.ifww-nrw.de W

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