KW-2021-04

193 Editorial www.dwa.de/KW w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2021 (14) · Nr. 4 „Wert des Wassers“, so hat das Bundes- umweltministerium das von UN Water ausgegebene Motto des diesjährigen Weltwassertags ins Deutsche übertragen. Wasser wertschätzen und Ressourcen schonen und schützen ist das eine, auch an die Menschen denken, die die Wasser- wirtschaft am Laufen halten, ein ande- res. Dabei gebührt gerade dem Betriebs- personal wasserwirtschaftlicher Anlagen in den gegenwärtig schwierigen Zeiten besonderer Dank. Dieser Dank wurde in den Zeitschriften der DWA in den letzten Monaten bereits mehrfach ausgespro- chen. An dieser Stelle etwa vom Spre- cher der DWA-Bundesgeschäftsführung, Johannes Lohaus , im Dezember 2020 und im Januar 2021 von DWA-Präsident Prof. Dr. Uli Paetzel . Zum diesjährigen Tag des Wassers am 22. März betonte Uli Paetzel noch ein- mal: „Der Schutz der Ressource Wasser bedingt gutes Fachpersonal. Der Tag des Wassers ist daher auch ein sehr guter An- lass, dem Betriebspersonal der Wasser- wirtschaft für die sehr gute Arbeit unter den deutlich erschwerten Corona-Bedin- gungen zu danken. Die sichere Abwasser- entsorgung ist im vergangenen Jahr je- derzeit gewährleistet gewesen. Dies war keine Selbstverständlichkeit.“ Man braucht für die Leserinnen und Leser der DWA-Fachzeitschriften nicht noch ein- mal aufzuzählen, welchen Herausforde- rungen sich das Betriebspersonal seit rund einem Jahr gegenüber sieht: keine Möglichkeit von Home Office, schwieri- ger Bezug von Schutzausrüstungen, Be- schaffung von Arbeitsmitteln bei zum Teil unterbrochenen Lieferketten, Einhal- ten der Abstandsregeln auch unter be- engten Arbeitsbedingungen, Aufteilung in strikt getrennte Kleinstteams, um auch bei Ausbruch einer Corona-Infektion im Unternehmen die systemrelevante Ab- wasserentsorgung gewährleisten zu kön- nen, Zugangsbeschränkungen für Fremd- firmen. Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang Gün- thert als Vorsitzender des DWA-Landes- verbands Bayern würdigte, ebenfalls an- lässlich des Tags des Wassers, die Kolle- ginnen und Kollegen auf den Anlagen so: „Ohne die Beschäftigten vor Ort wäre der Schutz der Ressource Wasser nicht mög- Wasserwirtschaft – leistungsfähig in der Pandemie, Baustein zur Pandemiebekämfung lich gewesen. Ich möchte daher den Tag des Wassers nutzen, unseren Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern für ihren groß- artigen Einsatz zur sicheren Gewährleis- tung der Abwasserentsorgung während der Pandemie zu danken.“ Die sieben Landesverbände der DWA hätten auch während der Pandemie das Betriebsper- sonal über ihre Nachbarschaftsarbeit in- tensiv unterstützt. Die Wasserwirtschaft hat aber nicht nur ihre Aufgaben auch unter den Pande- miebedingungen herausragend gemeis- tert, sie kann auch ein wichtiger Baustein bei der weiteren Pandemiebekämpfung werden. Weltweit laufen Forschungspro- jekte zum Coronamonitoring über den Abwasserpfad, auch die DWA ist in ver- schiedene Projekte eingebunden. Und die Zwischenergebnisse sind sehr positiv. Über die Beprobung des Abwassers kön- nen asymptomatisch Infizierte im Ein- zugsgebiet erkannt werden, ein Anstieg der Inzidenz kann über die Abwasserbe- probung bis zu zehn Tage schneller er- kannt werden als über das Meldesystem der Gesundheitsämter und auch Mutatio- nen sind nachweisbar. Die No-Covid- Initiative rund um das IFO-Institut hat Abwasserscreening bereits als wichtigen Baustein der Corona-Bekämpfungsstrate- gie eingeplant, in Rheinland-Pfalz hat das Umweltministerium die Beprobung zwei größerer Kläranlagen angekündigt. Corona ist das aktuelle Problem in Deutschland, Wasserknappheit könnte zukünftig auch in Deutschland proble- matischer werden. Die mit dem Klima- wandel verbundenen längeren Trocken- perioden führten zumindest regional zu verschärften Nutzungskonkurrenzen. „Wasser wird nicht grundsätzlich knapp. Notwendig ist aber ein intelligentes Management und eine nachhaltige Be- wirtschaftung der Ressourcen, um lang- fristig allen Nutzungsinteressen gerecht werden zu können“, so noch einmal Uli Paetzel. Wasserknappheit ist in Deutschland ein Thema geworden. Die trockenen Sommer der letzten Jahre haben gezeigt, dass ausreichende Wassermengen für al- le Nutzungswünsche auch in Deutsch- land nicht mehr überall und jederzeit ge- geben sind. Talsperren erreichten Tiefst- stände und hatten zum Teil erhebliche Probleme, die Mindestwasserführung der Gewässer zu gewährleisten. Gewäs- ser wie der Elbe-Zufluss Schwarze Elster fielen über Wochen trocken. Lokal muss- te sogar die Trinkwasserversorgung ein- geschränkt, die Verwendung des Trink- wassers zu Bewässerungszwecken unter- sagt werden. Der Klimawandel mit den prognostizierten vermehrten langen und heißen Trockenphasen wird diese Ent- wicklung weiter verschärfen. Das Bundesumweltministerium erar- beitet aktuell die Nationale Wasserstrate- gie, mit der die Leitplanken der Wasser- politik bis 2050 festgelegt werden sollen. Diese Nationale Wasserstrategie muss klare Regeln für die Wassernutzung bein- halten. Die Priorisierung der Trinkwas- serversorgung ist unbestritten. Die Inter- essen aller anderen Nutzer – Industrie, Energiewirtschaft, Landwirtschaft, Um- welt – müssen angemessen berücksich- tigt, Mindestwasserführungen für ökolo- gisch intakte Gewässer gesichert werden. Industrie und Landwirtschaft müssen verpflichtet werden, alle Potenziale für eine nachhaltige und sparsame Wasser- nutzung auszuschöpfen. Mit einem intel- ligenten Wassermanagement kann auch langfristig die Versorgungssicherheit für alle Nutzergruppen gewährleistet wer- den. Stefan Bröker

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