KW-2020-10

523 Spektrum www.dwa.de/KW w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2020 (13) · Nr. 10 Sommer im Ruhr-Einzugs­ gebiet extrem trocken Auf ein trockenes Frühjahr folgte ein tro- ckener Sommer. Im Einzugsgebiet der Ruhr war der Sommer 2020 erheblich zu trocken. Von April bis August fiel nur ein einziges Mal seit Aufzeichnungsbeginn noch weniger Regen. In allen drei Som- mermonaten Juni, Juli und August fiel weniger Niederschlag als im jeweiligen langjährigen Monatsmittel – im August war es sogar nur die Hälfte der üblichen Regenmenge. Das haben die Auswertun- gen des Ruhrverbands ergeben. Damit hat das Ruhreinzugsgebiet im dritten Jahr in Folge einen zu trockenen Som- mer erlebt. Bezieht man die (ebenfalls schon zu trockenen) Frühlingsmonate April und Mai in die Betrachtung mit ein, so war dieser Zeitraum sogar der zweit- trockenste seit Beginn der Niederschlags- aufzeichnungen im Jahr 1927. Nur ein- mal, nämlich 1976, hatte es entlang der Ruhr von April bis August noch weniger geregnet. Was besonders bedenklich ist: Nach 2020 auf Platz 2 folgen in dieser Betrachtung die Jahre 2019 und 2018 unmittelbar auf den Rängen 3 und 4. Ab der Frühlingsmitte ist es also in jedem der drei letzten Jahre im Ruhreinzugsge- biet ein wenig niederschlagsärmer ge- worden. Wie schon in den beiden Vorjah- ren leisteten die Talsperren des Ruhrver- bands daher auch im Sommer 2020 Schwerstarbeit, um die Wasserversor- gung der Menschen in der Region auf- rechtzuerhalten. In Villigst bestand an 87 Tagen und an der Mündung an 80 Tagen Zuschusspflicht zur Einhaltung der ge- setzlich vorgeschriebenen Mindestab- flüsse. Sowohl an der Mündung als auch am Pegel Villigst war dies die höchste Anzahl zuschusspflichtiger Tage, die der Ruhrverband seit 1990 (als mit der No- vellierung des Ruhrverbandsgesetzes der so genannte Mindestabfluss festgeschrie- ben wurde) überhaupt jemals in einem Sommer registriert hat. Gäbe es die Tal- sperren des Ruhrverbands nicht, wäre die Ruhr bei Schwerte in diesem Sommer an 40 Tagen trockengefallen. Wegen der hohen Wasserabgaben sank der Füll- stand des Talsperrensystems von 87,5 Prozent vom Vollstau am 1. Juni kontinu- ierlich auf 67,0 Prozent am 31. August und lag damit um gut zwölf Prozent un- ter dem zum Sommerende üblichen Wert. In konkreten Zahlen ausgedrückt, der Ruhrverband hat über den Sommer rund 97 Millionen Kubikmeter Wasser aus seinen Talsperren abgegeben. Im Schnitt betrug die Abgabe im Sommer 2020 rund 13,8 Kubikmeter in der Se- kunde und damit mehr als das Fünffache der Menge, die den Talsperren im selben Zeitraum zufloss. Während der Hitzepe- riode Anfang August war es zeitweise so- gar das Zehn- bis Vierzehnfache. Wegen der hohen Beanspruchung ist das Tal- sperrensystem aktuell um rund 17 Milli- onen Kubikmeter weniger gefüllt als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Doch auch wenn die Trockenheit in den Folge- monaten noch anhalten sollte, sind die Talsperren für eine mögliche Fortsetzung der Zuschusspflicht ausreichend gerüs- tet. W Drei-Länder-Hochwasser­ vorhersage am Rhein Die Umweltministerinnen von Nord- rhein-Westfalen, Hessen und Rheinland- Pfalz haben Ende August eine neue Ver- einbarung zur Hochwasservorhersage am Rhein abgeschlossen. Für den Rhein- abschnitt von der Neckarmündung bis zur niederländischen Grenze nach Em- merich erfolgt zukünftig die Berechnung und die Veröffentlichung der Vorhersa- gen für die Rheinpegel durch die Hoch- wasservorhersagezentrale des Landes- amtes für Umwelt Rheinland-Pfalz. Die Berechnungsmodelle und Informations- wege werden zwischen den Ländern ab- gestimmt und gemeinsam finanziert. Die neue Vereinbarung wurde notwendig, weil die Wasserstraßen- und Schifffahrts- verwaltung des Bundes angekündigt hat, sich aus der bisherigen Zusammenarbeit mit den Ländern zum Hochwassermelde- dienst zurückzuziehen. In diesem Zu- sammenhang werden die Hochwasser- vorhersagen der Rheinzuflüsse Lahn und Sieg jetzt ausschließlich von den Hoch- wasservorhersagediensten der Länder Hessen und Nordrhein-Westfalen berech- net und dem Hochwasservorhersage- dienst des Landes Rheinland-Pfalz für die Rheinvorhersage zur Verfügung ge- stellt. Der Hochwassermeldedienst für den Rhein wird bei Überschreitung pe- gelspezifischer Meldehöhen mit einem Hochwasserbericht aktiviert. Die aktuel- len Wasserstände an den Pegeln werden mindestens stündlich, die Vorhersagen bis zu achtmal täglich aktualisiert. Die Informationen werden an einen festen Verteiler (unter anderem aus Katastro- phenschutz, Ministerien, Umweltämtern, Kommunen) gesendet und können auf den Internetseiten der drei Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein- Westfalen oder über das länderübergrei- fende Hochwasserportal abgerufen wer- den. Die Meldungen werden zudem über die App „Meine Pegel“ und unterschied- liche Warn-Apps, wie zum Beispiel hessenWARN, KatWarn oder NINA ver- breitet. W Mobiler Schnelltest zur Erkennung von giftigen Blaualgen Die Entwicklung eines mobilen Schnell- tests zum Erkennen von Blaualgen (Cy- anobakterien) ist Gegenstand des Ver- bundforschungsprojekts „CyanoBakteri- en und -toxin Erfassung (CyBER)“, das über drei Jahre laufen soll. Wissenschaft- licher Partner des Projekts ist das HOT – das Hannoversche Zentrum für Optische Technologien – an der Leibniz Universi- tät Hannover unter Geschäftsführer Prof. Dr. Bernhard Roth , der auch die Arbeits- gruppe F1 – Präzisionsmesswesen (Me­ trologie) im Exzellenzcluster PhoenixD (Photonics, Optics, and Engineering – In- novation Across Disciplines) leitet. Technisch wollen die Forschenden mehrere optische Technologien mitein- ander kombinieren: Fluoreszenzdetekti- on, Holographie und Raman-Spektrosko- pie. So können die chemische Zusam- mensetzung der Stoffe auf molekularer Ebene erkannt sowie Form und Lage der Objekte bestimmt werden. Die Wasser- proben werden kontaktlos und präpara- tionsfrei nur mittels optischer Verfahren untersucht. Das geplante Verfahren wird auch bereits gebildete, aber noch nicht freigesetzte Cyanotoxine erkennen, so- wie nicht giftige, aber zur späteren Gift- bildung fähige Cyanobakterien erfassen. Das Umweltanalytikunternehmen bbe Moldaenke aus Schwentinental bei Kiel koordiniert das Verbundprojekt, dem auch das Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg sowie der Messge- rätehersteller ADM aus Krems II bei Bad Segeberg, angehören. Finanziert wird das Projekt durch die Förderinitiative „KMU-innovativ: Photonik und Quanten- technologie“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Prof. Dr. Bernhard Wilhelm Roth E-Mail: bernhard.roth@hot.uni- hannover.de W

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