KW-2020-10

521 Spektrum www.dwa.de/KW w Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2020 (13) · Nr. 10 Förderung für kommunale Klimaschutzprojekte Das Bundesumweltministerium möchte wegweisende investive Modellprojekte im kommunalen Klimaschutz ermögli- chen und hat einen Förderaufruf für ent- sprechende Vorhaben veröffentlicht. Die geförderten Projekte sollen durch ihre di- rekten Treibhausgasminderungen einen wesentlichen Beitrag zur schrittweisen Erreichung der Treibhausgasneutralität von Kommunen leisten. Antragsberech- tigt sind Kommunen und Zusammen- schlüsse von Kommunen sowie Betriebe, Unternehmen und sonstige Einrichtun- gen mit mindestens 25 Prozent kommu- naler Beteiligung. Als besonders förder- würdig werden in der Ausschreibung Ab- wasserbeseitigung und Abfallentsorgung genannt. https://www.ptj.de/klimaschutzinitiative/ modellprojekte W Klimawandel: Gewässer­ ökologen fordern sofortiges Handeln Der Klimawandel hat weltweit erhebli- che negative Auswirkungen auf die Was- serressourcen. „Die weltweiten Wasser- ressourcen sind derzeit der größten Be- drohung in der Geschichte der Mensch- heit ausgesetzt“, schreiben Gewässeröko- logen in ihrem aktuell erschienenen Statement-Papier. Das Papier wurde am 14. September 2020 veröffentlicht. Zu den 110 unterzeichnenden Fachgesell- schaften, in denen über 80000 Mitglie- der organisiert sind, gehört auch die Deutsche Gesellschaft für Limnologie (DGL). In dem Papier zeigen die Forscher*innen auf, welche dramati- schen Effekte der Klimawandel auf Ge- wässerökosysteme weltweit hat. Sie for- dern ein sofortiges konzertiertes Han- deln von Politik, Wirtschaft, Wissen- schaft und Gesellschaft, um das Fort- schreiten des Klimawandels einzudäm- men. „Der Klimawandel ist da – und hin- terlässt deutliche, teils unumkehrbare Spuren in aquatischen Ökosystemen“, sagt Prof. Markus Weitere , Präsident der DGL und Leiter des Departments Fließ- gewässerökologie am Helmholtz-Zent- rum für Umweltforschung (UFZ). In ih- rem Statement-Papier fordern die Ge- wässerökologen eine schnelle, konse- quente und drastische Reduktion der Freisetzung von Treibhausgasen. Zusätz- lich müssten natürliche Prozesse geför- dert werden, die Kohlenstoff binden – zum Beispiel durch den Erhalt, den Schutz und die Entwicklung von Feucht- gebieten als natürliche Kohlenstoffsen- ken. Um die bereits unumkehrbaren Fol- gen des Klimawandels auf die Gewässer abzupuffern, fordern die Gewässerökolo- gen regional adäquate Maßnahmen. Da- zu zählen sie Forschung und Ausbildung in der Gewässerökologie zu fördern so- wie Kapazitäten in Gewässerüberwa- chung und -management sicherzustellen. Die durch den Klimawandel hervorgeru- fenen Effekte – Eutrophierung, Sauer- stoffzehrung, Schadstoffmobilisierung, Einwanderung fremder Arten und Biodi- versitätsverlust – sind in der Gewässer­ ökologie keine Unbekannten und daher in vielen Fällen auch noch händelbar. Publikation: https://climate.fis heries.org/world-climate-statement deutsche Übersetzung: https://www.dgl-ev.de/cms/upload/ dokumente/Stellungnahmen/200914_ Statement_Wasseroekosysteme-Klima_ DE.pdf W Sommer 2020 etwas zu trocken Bundesweit etwas zu trocken, aber regi- onal erhebliche Unterschiede, dabei bei ausgeglichener Sonnenscheindauer et- was zu warm. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat Ende August die Zusammen- fassung des Sommers 2020 vorgestellt. Mit 18,2 °C lag der Sommer 2020 um 1,9 Grad über dem Mittel der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der wärmeren Vergleichsperi- ode 1981 bis 2010 betrug die positive Abweichung 1,1 Grad. In den Monaten Juni und Juli waren stabile hochsommer- liche Phasen eine Seltenheit. Kühle und warme Witterungsphasen wechselten sich ab, sodass die ersten Sommermona- te eher einem „Schaukelsommer“ gli- chen. Erst im August führte eine mehrtä- gige Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 °C zu einer landesweiten hohen bis extremen Wärmebelastung. Mit rund 230 l/m² Niederschlag im bundesweiten Mittel verfehlte der Sommer 2020 sein Soll (239 l/m²) nur leicht. Oftmals lagen Starkregenfälle mit Überflutungen und anhaltende Trockenheit nah beieinander. In einigen Regionen, wie der Uckermark, der Leipziger Tieflandbucht, dem Saar- land und entlang des Rheins fielen mit 70 bis 100 l/m² weniger als die Hälfte der dort typischen Niederschlagsmenge. Zugleich gab es Dauerregenfälle, wie An- fang August mit bis zu 150 l/m² in 24 Stunden in Oberbayern, die auch Hoch- wasser brachten. Insgesamt wurden an den Alpen über den Sommer hinweg über 700 l/m² gemessen und damit zehnmal so viel, wie in den trockenen Regionen Deutschlands. W Wasser „smart“ und effizient nutzen Koordiniert vom IWW Rheinisch-Westfä- lischen Institut für Wasserforschung ist Anfang September das EU-Forschungs- projekte „B-WaterSmart“ gestartet. Im Fokus steht die Ganzheitlichkeit des Was- sersektors mit dem System Natur, Tech- nologie und Gesellschaft. In Kooperation mit verschiedenen Interessengruppen werden innovative Lösungsansätze ent- wickelt und in sechs europaweit verteil- ten Reallaboren getestet. Diese sollen die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Wasserversorgung nachhaltig und wider- standsfähig zu gestalten und sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wapp- nen. In den kommenden vier Jahren ar- beiten insgesamt 36 Projektpartner aus Deutschland, Portugal, Spanien, Belgien, Niederlande, Italien, Norwegen und Griechenland an technischen und digita- len Lösungen sowie an neuen Geschäfts- modellen. In den Reallaboren werden die Möglichkeiten der effizienten Was- sernutzung unter geografisch verschiede- nen Bedingungen beleuchtet. Das IWW begleitet aktuell eine Fallstudie, die vom Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserver- band (OOWV) und dem DMK Deutsches Milchkontor GmbH in Ostfriesland im Rahmen von B-WaterSmart durchgeführt wird. Zusammen mit der EnviroChemie GmbH errichten die Partner eine Pilot- Anlage, die Prozesswasser aus der Mol- kereiwirtschaft so aufbereitet, dass es Trinkwasserqualität aufweist und im Pro- duktionsprozess wiederverwertet wer- den kann. Die EU hat das Projekt mit ei- ner Fördersumme von 15 Millionen Euro ausgestattet, ein Fünftel dieser Summe fließt nach Deutschland. W

RkJQdWJsaXNoZXIy MTY1NTA0