KA-2026-09

KORRESPONDENZ ABWASSER·ABFALL 9|26 Klärschlamm natürlich entwässern: Die ökologische Klärschlammentwässerung mit flexibler und zukunftssicherer Verwertung. Diese Pf lanze ist eine Maschine Mehr erfahren auf Seite 757 Jetzt scannen und informieren! www.klärschilf.de 73. Jahrgang · Nr. 9 · September 2026 · 10889 Bereit für den Wandel Seite 699 München: 100 Jahre Kläranlage Seite 710 DWA-A 118: Bauzeitliche Vorflutsicherungen Seite 715 Mischwasserüberlauf-­ Beprobungen Seite 723 Optimierung der Klärschlammverbrennung Seite 733 Löschwasserrückhalt Seite 739 Dürre und Niedrigwasser Seite 744

GIPS www.itwh.de Hannover Dresden Flensburg Nürnberg itwh GmbH 30167 Hannover GIPS erweitert die CAD-Software AutoCAD oder BricsCAD zum grafischen Informations- und Planungssystem für Kanalnetze in der Siedlungsentwässerung. GIPS steht in der CAD-Software als extra Ribbon zur Verfügung und bietet eine optimale Übersicht der GIPS-Befehle und einen am Workflow orientierten Menüaufbau. GIPS dient der Planung und Pflege von Kanalnetzen. GIPS bietet die Möglichkeit, HYSTEM-EXTRAN-Rechenmodelle aufzustellen und anschließend Simulationsergebnisse auszuwerten, um diese in Zeichnungen darzustellen. GIPS unterstützt Sie darüber hinaus bei der Erstellung von Oberflächenabflussmodellen. Durch Einlesen verschiedener Flächendatentypen können sowohl einfache als auch komplexe Modelle unkompliziert erstellt werden. Weitere Informationen, alle Features zu GIPS sowie eine kostenlose Demo-Version finden Sie auf unserer Website. Grafisches Informations- und Planungssystem für die Stadt- und Siedlungsentwässerung Direkt mit der Demo starten! Aufsatz für Autodesk- und Bricsys-Produkte Intuitive Benutzeroberfläche als Ribbon Engelbosteler Damm 22 itwh@itwh.de 0511 971930 Sie möchten GIPS ausprobieren? Dann nutzen Sie unsere kostenlose Demo-Version! GRAFISCHE KANALPLANUNG Wir haben die passende Software für Ihre Herausforderung in der Siedlungsentwässerung. Jetzt zum nächsten GIPS-Kurs anmelden!* Unterstützung des ISYBAU-Austauschformats XML2024 Simulation des erstellten Kanalmodells mit HYSTEM-EXTRAN Erstellung von Themenplänen zur hydraulischen Leistungsfähigkeit und Überstauhäufigkeiten (DWA-A 118) Erstellung von Flächenmodellen Automatische Polygonermittlung für Einzugsflächen Nutzung von „Multipolygonflächen“ und „Donutflächen“ Interaktiver Längsschnitt * Anmeldung und Infos unter: www.itwh.de/kurse-gips

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften Organ der DWA – Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. und des Güteschutz Kanalbau Herausgeber und Verlag: GFA Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef Postfach 11 65, D-53758 Hennef Telefon +49 2242 872-333, Telefax +49 2242 872-151 Internet: www.gfa-news.de Redaktionsbeirat: 1. Prof. Dr. Uli Paetzel, DWA-Präsident 2. Prof. Dr.-Ing. Silvio Beier, DWA-HA „Industrieabwässer und anlagenbezogener Gewässerschutz“ 3. Dr.-Ing. Lisa Irwin-Broß, DWA-Vorstand 4. Dipl.-Ing. Rainer Könemann, DWA-HA „Kreislaufwirtschaft, Energie und Klärschlamm“ 5. Rechtsanwalt Stefan Kopp-Assenmacher, DWA-HA „Recht“ 6. Dipl.-Ing. Christine Mesek, DWA-HA „Wirtschaft“ 7. Prof. Dr.-Ing. Hubertus Milke, DWA-Vorstand 8. Dr. Andreas Müller, DWA-HA „Gewässer und Boden“ 9. Dr.-Ing. habil. Uwe Müller, DWA-HA „Hydrologie und Wasserbewirtschaftung“ 10. Prof. Dr.-Ing. André Niemann, DWA-HA „Bildung und Internationale Zusammenarbeit“ 11. Prof. Dr.-Ing. Frank Obenaus, DWA-HA „Kommunale Abwasserbehandlung“ 12. Prof. Dr.-Ing. Klaus Hans Pecher, DWA-HA „Siedlungsentwässerung und urbanes Regenwassermanagement“ 13. Julia Schrade, M. Sc., Junge DWA 14. Rolf Usadel, GFA-Vorstand 15. Prof. Dr.-Ing. Silke Wieprecht, DWA-HA „Wasserbau und Wasserkraft“ Redaktion: Dr. Frank Bringewski (ChR, v. i. S. d. P.), Tel. +49 2242 872-190, E-Mail: bringewski@dwa.de Anzeigen: Monika Kramer, Tel. +49 2242 872-130, E-Mail: anzeigen@dwa.de Christian Lange, Tel. +49 2242 872-129, E-Mail: lange@dwa.de Sekretariat: Bianca Jakubowski Tel. +49 2242 872-138 E-Mail: jakubowski@dwa.de Erscheinungsweise: monatlich vierteljährliche Beilage KA Betriebs-Info Anzeigenpreise: Zurzeit gilt Anzeigenpreisliste Nr. 54 vom 01. Januar 2026 Satz: inpuncto:asmuth druck + medien gmbh, Bonn Druck, Bindung: DCM Druck Center Meckenheim GmbH, Meckenheim Bezugspreis: Der Verkaufspreis ist durch den DWA-Mitgliedsbeitrag abgegolten. DWA-Mitglieder, die Mehrexemplare der KA erwerben möchten oder die sich für die Zeitschrift KW Korrespondenz Wasserwirtschaft als kostenlose Mitgliederzeitschrift entschieden haben, können die KA zusätzlich für 124,00 Euro zzgl. Versandkosten bestellen. Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikrofilm oder irgendein anderes Verfah- ren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden. Von einzelnen Beiträgen oder Teilen von ihnen dürfen nur einzelne Vervielfältigungs- stücke für den persönlichen und sonstigen eigenen Gebrauch hergestellt wer- den. Die Weitergabe von Vervielfältigungen, gleichgültig zu welchem Zweck sie hergestellt werden, ist eine Urheberrechtsverletzung. – Der Inhalt dieses Heftes wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler keine Haftung. Insbesondere unterliegen die Angaben in Industrie- und Produktberichten nicht der Verantwortung der Redaktion. Richtlinien zur Abfassung von Manuskripten können beim Redaktionssekretariat angefordert werden. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier mit Recyclingfasern. © GFA D-53773 Hennef ISSN 1866-0029 Korrespondenz Abwasser, Abfall JETZT ANMELDEN 4.0FACHSEMINAR Da sein, wo's drauf ankommt! KA Schwerpunkt Spurenstoffe Wasserwirtschaft. Abwasser. Abfall. Oktober (2.10.) Spurenstoffe Anzeigenschluss 7.9.2026 Alle Infos unter dwa.info/mediadatenka Kontakt für Ihr unverbindliches Anzeigenangebot Monika Kramer | +49 2242 872-130 | anzeigendwa.de dwa.info/mediadatenka DWA- 195 Kunde: DWA 4c rgb nach cmyk gewandelt 86 x 125mm

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/KA 696 Inhalt Editorial Bereit für den Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . .................. 699 Uli Paetzel Berichte 75 Jahre Engagement für die Wasserwirtschaft DWA-Landesverbandstagung Nord . . . . . . . . . . . ............. 706 Frank Bringewski München: 100 Jahre moderne Abwasserreinigung . . . . ...... 710 Claudia Schiepp Junge DWA Exkursion zur Frank Kunststofftechnik GmbH und zur Tiefenbelüftungsanlage Wölfersheim 17. Stammtisch der Gießener Jungen DWA . . . . . . . . ......... 712 Siedlungsentwässerung/ urbanes Regenwassermanagement Hydraulische Auslegung bauzeitlicher Vorflutsicherungen Ein Verfahren der hanseWasser Bremen als Umsetzungsbeispiel des Regelwerkes DWA-A 118:2024, Kapitel 6.4 . . . . . . . . . . . . . . ................ 715 Christian Reichelt, Laura Siemens, Ulrike Feldmann (Bremen) Kommunale Abwasserbehandlung Zehn Jahre Mischwasserüberlauf-Beprobungen im Gebiet des EBS Mannheim Neue Erkenntnisse zu Nährstoff- und Spurenstoffemissionen? . . . . . . . . . . . . . . ............... 723 Birthe Stricker (Stuttgart), Jürgen Schönung, Bernhard Stumpf (Mannheim), Ulrich Dittmer (Kaiserlautern), Patrick Bräutigam (Stuttgart) Kreislaufwirtschaft, Energie, Klärschlamm Prozessoptimierung in der Klärschlammverbrennung Ansätze zur Stabilisierung der Rauchgasreinigung und Aschequalität im Hinblick auf das zukünftige P-Recycling . . . . . . . . . . . . . .............. 733 Constantin Schade, Dennis Blöhse, Alicia Schönebeck, Alexander Knake, Niklas W. Höing, Torsten Frehmann (Essen) Entsorgung von rückgehaltenem Löschwasser Arbeitsbericht des DWA-Fachausschuss KEK-5 „Abfälle aus Baumaßnahmen und Infrastruktur“ . . . . . ...... 739 Recht Dürre und Niedrigwasser Arbeitsbericht (Teil 2) des DWA-Fachausschusses RE-3 „Vollzugsfragen des Wasserrechts“ . . . . . . . . . . . ............. 744 DWA DWA intern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ....................... 751 Fachgremien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ...................... 752 Regelwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................ 753 Technisches Sicherheitsmanagement . . . . . . . . . . ........... 754 Beide Verbandszeitschriften – KA und KW – auch online lesen: https://www.dwadirekt.de  9|26 Newsletter aus der Redaktion der DWA-Zeitschriften Im Umfeld der Wasserwirtschaft passiert mehr, als in den DWAZeitschriften KA und KW gedruckt werden kann. Aktuelle Nachrichten, vor Erscheinen der Zeitschriften, bekommt man auf der Website www.gfa-news.de, die von der Redaktion betreut wird. Dort kann man auch einen E-Mail-Newsletter abonnieren, der in der Regel alle zwei Wochen montags verschickt wird. Beiträge in KW Korrespondenz Wasserwirtschaft 9/2026 S. Dosch, F. Fischer: Natürlicher Klimaschutz, Landschaftswasserhaushalt und Fördermöglichkeiten Arbeitsbericht des DWA-Fachausschuss KEK-5 „Abfälle aus Baumaßnahmen und Infrastruktur“: Entsorgung von rückgehaltenem Löschwasser Arbeitsbericht des DWA-Fachausschuss RE-3 “Vollzugsfragen des Wasserrechts“: Dürre und Niedrigwasser Circle Hydrologie der Jungen DWA: Wasser – als Beruf(ung)? A. Yörük, M. Becker, O. Buchholz: Entwicklung eines Webbasierten Frühwarnsystems für die kommunale Starkregen- und Hochwasservorsorge an der Ahr

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften 697 Foto: hanseWasser Bremen Foto: Stadtentwässerung Hannover Foto: Currenta Rubriken Spektrum �����������������������������������������������������������������������������������700 Güteschutz Kanalbau ���������������������������������������������������������������713 Personalien ���������������������������������������������������������������������������������755 Industrie und Technik �������������������������������������������������������������757 Stellenmarkt �������������������������������������������������������������������������������760 Adressenbörse für die Abfallwirtschaft �������������������������������761 Ingenieurbüros �������������������������������������������������������������������������761 Güteschutz Kanalbau – Gütezeicheninhaber ���������������������768 Beilagenhinweis ��������������������������������������������������������������723 KA 10/2026 Anzeigenschluss: 7. September 2026 Erscheinungstermin: 2. Oktober 2026 KA 11/2026 Anzeigenschluss: 5. Oktober 2026 Erscheinungstermin: 30. Oktober 2026 Abonnieren Sie den monatlichen Themenplan kostenlos auf www.dwa.info/ThemenKA  Korrespondenz Abwasser, Abfall Schwerpunkt Spurenstoffe Seite 710 Das Klärwerk Gut Großlappen im Norden Münchens feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Seit der Fertigstellung im Mai 1926 steht es für den Beginn der modernen Abwasserreinigung in der bayerischen Landeshauptstadt. Erstmals wurde das Münchner Schmutzwasser nicht mehr ungeklärt in die Isar eingeleitet. Seite 715 Im aktualisierten Arbeitsblatt DWA-A 118:2024 wird in Kapitel 6.4 das Erfordernis formuliert, die hydraulische Abflusssituation bei temporären Zuständen der bauzeitlichen Vorflutsicherung zu bewerten. Bei hanseWasser Bremen wird hierzu ein Verfahren bereits seit einigen Jahren erfolgreich in der Praxis umgesetzt. Es erlaubt die Risikobewertung von temporären Absperr- und Umleitungsmaßnahmen im Vergleich zum ungestörten Ist-Zustand. Seite 723 Über die letzten zehn Jahre wurden ca. 150 Überlaufereignisse an bis zu zehn relevanten Abschlagsbauwerken im Einzugsgebiet des Eigenbetrieb Stadtentwässerung Mannheim beprobt und auf Standardparameter und schmutzwasserbürtige Spurenstoffe analysiert. In weiteren Schritten soll basierend auf den Ergebnissen eine Strategie für eine repräsentative Überwachung der Mischwasserüberläufe entsprechend der EU-Kommunalabwasserrichtlinie erarbeitet werden. Seite 733 Die Emschergenossenschaft betreibt in Bottrop eine zentrale Schlammbehandlung mit angeschlossener Klärschlammverbrennungsanlage. Seit dem Jahr 2015 wird ein umfangreiches Retrofit der Anlage durchgeführt. In diesem Zusammenhang wurde eine neue abwasserfreie Rauchgasreinigungsanlage errichtet. Die Optimierung der Rauchgasreinigungsanlage wird beschrieben. Seite 739 Bei großen Brandereignissen kann es durch kontaminiertes Löschwasser zu erheblichen Gefährdungen von Böden und Gewässern sowie zu nachhaltigen Schäden an Abwasseranlagen kommen. Eine Unterarbeitsgruppe des DWA-Fachausschusses KEK-5 behandelt in einem Arbeitsbericht, ausgehend von einer Betrachtung möglicher Inhaltsstoffe von Löschwässern sowie unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen, Optionen zur ordnungsgemäßen Entsorgung von rückgehaltenem Löschwasser. Seite 744 Dürreperioden und langanhaltendes Niedrigwasser gehören zu den sichtbarsten Folgen des Klimawandels in Mitteleuropa. Ziel eines Arbeitsberichts des DWA-Fachausschusses RE-3 ist es, die fachlichen Grundlagen kurz darzustellen und die rechtliche Situation einzuordnen. Foto: BfG, Susanne Schäfer

vega.com Bis aus Schmutzwasser eine saubere Sache wird, ist eine Menge Arbeit nötig. Umso wichtiger sind Werte, auf die Sie sich verlassen können. Unsere Messtechnik für Füllstand und Druck ist genau dafür gemacht – und sorgt so dafür, dass Sie Ihre Aufgaben mit ungetrübtem Blick und Weitsicht meistern. Alles wird möglich. Mit VEGA. Sie brauchen mehr Klarheit in Ihren Prozessen? Wir schaffen sie!

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften Editorial 699 Bereit für den Wandel Kritischen Infrastruktur. Deshalb ist es selbstverständlich, dass die DWA gemeinsam mit Behörden und Partnern Leitfäden entwickelt und Orientierung bietet. Auch hier gilt: Vorsorge ist keine Bürokratie, sondern eine Investition in die Resilienz unserer Infrastruktur. Shakespeare lässt Hamlet am Ende des Dramas einen Satz sagen, der auch für unsere Arbeit ein guter Leitgedanke sein kann: „The readiness is all.“ Entscheidend ist nicht, jede Entwicklung vorhersehen zu können. Entscheidend ist, vorbereitet zu sein, wenn Veränderungen eintreten. Die Zeiten mögen stürmischer geworden sein. Gerade deshalb kommt es darauf an, Wissen zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Dafür steht die DWA – und dafür braucht sie die Expertise und das Engagement ihrer Mitglieder. Ich lade Sie herzlich ein, diesen Weg mitzugestalten und an unserer Mitgliederversammlung am 14. September 2026 teilzunehmen. Nutzen Sie Ihr Stimmrecht und bringen Sie sich ein. Ich freue mich auf eine starke Beteiligung. Herzliche Grüße ter. Der Klimawandel macht deutlich, dass Wasserwirtschaft längst nicht mehr nur klassische Siedlungswasserwirtschaft bedeutet. Themen wie Landschaftswasserhaushalt, urbane Klimaanpassung und Regenwassermanagement gewinnen an Bedeutung und erfordern eine enge Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. Dass sich diese Entwicklung inzwischen sogar in der Bezeichnung unserer Hauptausschüsse widerspiegelt, ist mehr als eine sprachliche Veränderung – sie steht für einen erweiterten Blick auf die Aufgaben unserer Branche. Die DWA versteht sich dabei nicht nur als Regelsetzer, sondern als Forum für den fachlichen Diskurs. In unseren Gremien werden Positionen erarbeitet, kontrovers diskutiert und dort, wo es notwendig ist, auch mit unterschiedlichen Auffassungen gerungen. Das gilt etwa für die Finanzierung der vierten Reinigungsstufe zur Entfernung von Arzneimittelrückständen ebenso wie für die Ausgestaltung der Phosphorrückgewinnung ab 2029. Solche Debatten sind kein Zeichen von Uneinigkeit, sondern Ausdruck einer lebendigen Fachgemeinschaft, die gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt. Ein weiteres Thema wird uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen: der Bürokratieabbau. Wo unnötige Verfahren vereinfacht werden können, ist das ausdrücklich zu begrüßen. Sorge bereitet allerdings die Tendenz, technische Regelwerke pauschal als Bürokratie einzuordnen. Unsere Regelwerke sind keine Verwaltungsvorschriften um ihrer selbst willen. Sie bündeln das Erfahrungswissen vieler tausend Fachleute und schaffen die Grundlage für Qualität, Sicherheit und Verlässlichkeit in der Wasserwirtschaft. Gleichwohl nehmen auch wir unsere Verantwortung ernst und überprüfen derzeit die Struktur unserer Fachgremien ebenso wie die Weiterentwicklung unseres Veröffentlichungswesens. Dasselbe gilt für das Thema Cybersicherheit. Die Wasserwirtschaft gehört zur „The time is out of joint“ – „Die Zeit ist aus den Fugen.“ Kaum ein Satz aus Shakespeares Hamlet beschreibt die vergangenen Jahre treffender. Pandemie, Krieg in Europa, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz haben viele Gewissheiten erschüttert. Veränderungen, die früher über Jahrzehnte verliefen, vollziehen sich heute oft innerhalb kürzester Zeit. Diese Entwicklungen spüren wir auch in der Wasserwirtschaft. Gestörte Lieferketten und stark gestiegene Energiepreise haben die Betriebe ebenso beschäftigt wie neue gesetzliche Anforderungen. Die kommunale Wärmeplanung eröffnet neue Perspektiven für die Nutzung von Abwasserwärme, die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie setzt neue Maßstäbe, und die Verpflichtung zur Phosphorrückgewinnung rückt näher. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Resilienz, Cybersicherheit und Klimaanpassung. Die Rahmenbedingungen verändern sich – und mit ihnen die Anforderungen an unsere Branche. Ein großes strategisches Vorhaben der vergangenen Jahre war die umfassende Weiterentwicklung der DWA selbst. Mit der Novellierung unserer Satzung und der Einführung eines hauptamtlichen Vorstands haben wir die Voraussetzungen geschaffen, die ehrenamtlichen Gremien zu entlasten und unsere Organisation zukunftsfest aufzustellen. Mit dem personellen Wechsel in der Bundesgeschäftsführung – heute Vorstand – zum 1. Januar 2024 wurde zugleich ein umfassender Strategieprozess angestoßen, der zahlreiche Veränderungen auf den Weg gebracht hat. Diese Weiterentwicklung zeigt sich in vielen Bereichen. Die DWA ist heute sichtbarer – in der Fachöffentlichkeit ebenso wie im politischen Raum. Mit dem Ausbau unserer politischen Arbeit in Hennef bringen wir die Expertise der Wasserwirtschaft noch gezielter in politische Entscheidungsprozesse ein. Gleichzeitig entwickeln wir unsere fachliche Arbeit kontinuierlich weiFoto: David Ausserhofer Prof. Dr. Uli Paetzel Präsident der DWA

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/KA Spektrum 700 Fortbildungsordnung überführt werden. Die DWA wurde eingeladen, ihren Sachverstand bei der Erarbeitung der Verordnung und deren Abstimmung mit dem Rahmenlehrplan einzubringen. Die konstituierende und erste Sitzung fand am 27. August 2026 statt. a Abwassersurveillance: EU-WISH verlängert Das Projekt EU-WISH (Wastewater Integrated Surveillance for Public Health) wird für weitere zwölf Monate bis Oktober 2027 fortgeführt; die entsprechende Finanzierung wurde genehmigt, wie das RobertKoch-Institut mitteilte. EU-WISH ist ein europaweites Projekt unter dem EU4HealthProgramm, das die nationale Kapazität zur Überwachung von Krankheitserregern, Antibiotikaresistenzen und Chemikalien im Abwasser stärken soll, um schnell auf grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohungen reagieren zu können, Wissen auszutauschen und harmonisierte Strategien für das Abwassermonitoring zu entwickeln. Unter anderem für respiratorische und neu auftretende Erreger sowie AMR (antimikrobielle Resistenz) und chemische Substanzen wurden Kriterien für eine strukturierte Einordnung festgelegt, die 2026 durch Expert*innen aus der ganzen EU erfolgen und als Leitfaden für zukünftige Ausrichtungen von Abwassersurveillance-Systemen veröffentlicht werden soll. a Abwassersurveillance: Projekt EU-Supersites bis 2029 finanziert Im Rahmen eines Frühwarnsystems der EU für künftige Pandemien sind europaweit insgesamt 36 strategisch wichtige Messorte, EU-Supersites, ausgewählt, wovon aktuell 24 bereits aktiv beteiligt sind. An diesen Standorten werden Abwasserproben von Kläranlagen, Flughäfen und Krankenhäusern auf verschiedene Erreger getestet und sequenziert. In Deutschland sind aktuell folgende Standorte beteiligt: Kläranlage Frankfurt am Main und Flughafen FRA, Kläranlage Berlin-Waßmannsdorf und Flughafen BER, Kläranlage Düsseldorf und Flughafen DUS, Kläranlage Hamburg, Kläranlage München und Flughafen MUC sowie Kläranlage Aachen. Eine Finanzierung des Projektes ist bis 2029 gesichert, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt. In dem Zuge wird eine weitere Vernetzung innerhalb Deutschlands vorangetrieben. a lings mit Beginn 2029. Wenige Verfahren zur Verwertung relativ schadstoffarmer Klärschlammaschen stehen dann zur Verfügung. Die Kapazitäten für komplexere Extraktionsverfahren für schadstoffreichere Klärschlämme werden in den nächsten Jahren aufgebaut. Das vorgeschlagene Modell verbindet die gesetzlichen Anforderungen mit den realen technischen Möglichkeiten. Es schützt gleichzeitig die Akteur*innen, die bereits in Verbrennungskapazitäten, Forschung und Rückgewinnungsverfahren investiert haben. Zudem erhöht es die Planungssicherheit für Anlagenbetreiber, Kommunen und Investierende. Für Klärschlammaschen, die zunächst noch keiner Phosphorrückgewinnung zugeführt werden können, schlägt die DWA eine Ablagerung auf besonders gekennzeichneten Flächen vor. Diese Nationale Phosphorreserve hält wertvolle Rohstoffe für eine spätere Nutzung verfügbar und ermöglicht im Bedarfsfall einen späteren Zugriff auf die gelagerten Aschen. Vorhandene Deponiestandorte und Lagerstätten sollten dabei bevorzugt genutzt werden. Die in der Klärschlammverordnung vorgesehene Zwischenlagerung ist hingegen keine flächendeckende Lösung. Sie ist mit erheblichen technischen, wirtschaftlichen und genehmigungsrechtlichen Herausforderungen verbunden. Ein erfolgreicher Ausbau der Phosphorrückgewinnung setzt verlässliche Absatzwege für die entstehenden Rezyklate voraus. Fragen des Düngerechts, der Anerkennung neuer Düngemitteltypen sowie der Marktintegration von P-Rezyklaten müssen für den vollumfänglichen Markthochlauf geklärt werden. Gleiches gilt für deponierechtliche Anpassungen bezüglich der Kapazitäten für die Nationale Phosphorreserve. Download der Position der DWA: https://dwa.de/positionen a Verordnung zum Umwelttechnischen Meister wird novelliert Nach dem Inkrafttreten der modernisierten UT-Berufe zum Ausbildungsjahr 2024 sollen auch die Fortbildungen im UT-Bereich modernisiert werden: Geprüfter Wassermeister, Geprüfter Abwassermeister, Geprüfter Meister für Kreislauf- und Abfallwirtschaft und Städtereinigung, Geprüfter Meister für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Außerdem soll die Fortbildungsprüfungsregelung Geprüfter Netzmeister (Fernwärme, Gas, Strom, Wasser) in eine Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm: DWA fordert rechtssichere Übergangslösungen für Klärschlammaschen Einstieg in die Phosphorrückgewinnung 2029, vollumfänglicher Hochlauf über ein Stufenmodell bis 2039, Ablagerung von Aschen als nationale Phosphorreserve, Schaffung eines Marktes für P-Rezyklate, Planungssicherheit durch rechtliche Klarstellung – das sind die Vorschläge der DWA zur Gestaltung der Phosphorrückgewinnung im aktuellen Positionspapier Übergangsmodell und Finanzierung. „Die DWA unterstützt die Ziele und die Umsetzung der Klärschlammverordnung ausdrücklich. Eine vollumfängliche Umsetzung inklusive der Phosphorrückgewinnung ist bis 2029 aber in keinem Fall realisierbar. Eine Nationale Phosphorreserve ist eine tragfähige Übergangslösung, die den Zielen der Phosphorrückgewinnung dient, den technischen und marktmäßigen Rahmenbedingungen Rechnung trägt und First-Mover schützt.“, betont DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel. Die DWA unterstützt das Ziel der Phosphorrückgewinnung aus Abwasser ausdrücklich. Bis zu der in der Klärschlammverordnung festgeschriebenen Frist ab 2029 wird die dafür notwendige Infrastruktur aber nicht zur Verfügung stehen. Die notwendigen Kapazitäten zur Klärschlammverbrennung werden bis 2029 wahrscheinlich auf nationaler Ebene errichtet worden sein. Deutlich anders die Situation bei der Rückgewinnung des Phosphors aus der Klärschlammasche. Nach den auch vom Umweltbundesamt herangezogenen Schätzungen werden hier lediglich Kapazitäten für ein Drittel der Menge betriebsbereit sein. Trotz einer Vielzahl erfolgreicher und vielversprechender Pilotierungs- und Forschungsprojekte stellt die Skalierbarkeit der Verfahren weiterhin eine technische Herausforderung dar. Es fehlen Erfahrungswerte zu großtechnischen Verfahren, den Entsorgern stehen auch heute keine verlässlichen Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung. Planung, Genehmigung, Ausschreibung und Bau benötigen mindestens fünf bis sieben Jahre. Diese Zeiträume überschreiten die Zeit bis 2029 deutlich. Die vollumfängliche Umsetzung der Klärschlammverordnung im Jahr 2029 ist nicht realisierbar. Die DWA fordert ein Modell für den schrittweisen Ausbau des Phosphor-Recyc-

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften Spektrum 701 chemische Vegetationskontrolle stattfindet, können neben abfiltrierbaren Stoffen und Schwermetallen auch Herbizide im Abfluss auftreten. Für diesen anspruchsvollen Einsatzbereich beschreibt das EisenbahnBundesamt nun einen klaren Prüfweg. Download der Fachinformation: www.gfa-news.de/gfa/webcode/ 20260814_006 a Niedersachsen: Masterplan Wasser vorgestellt Die Klimakrise stellt die Kommunen und die Wasserwirtschaft vor enorme Herausforderungen. Niedersachsen reagiert darauf mit dem Masterplan Wasser, den Umwelt- und Klimaschutzminister Christian Meyer am 15. Juli 2026 in Hannover vorgestellt hat. Der Masterplan bündelt erstmals zentrale Strategien zum Wassermengenmanagement, zum Hochwasser- und Küstenschutz sowie zur Verbesserung der Wasserqualität. Er enthält konkrete Maßnahmen wie zum Beispiel das landesweite Grundwasserströmungsmodell, das wichtige Erkenntnisse für ein ganzheitliches Verständnis des Wasserhaushalts in Niedersachsen liefert, die Entsiegelung von Flächen für mehr Wasserrückhalt oder die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen. Die drei zentralen Handlungsfelder des Masterplans Wasser sind: 1. Nachhaltiges Wassermengenmanagement Kernziel ist es, Wasser stärker in der Fläche zu halten und natürliche Speicher zu fördern. So sollen Nutzungskonflikte frühzeitig ausgeglichen, die langfristige Versorgung gesichert und klimaresiliente Ökosysteme stabilisiert werden. Unter anderem durch die naturnahe Umgestaltung von Bächen und Flüssen wird der Abfluss von Wasser verzögert, was insbesondere in Niedrigwasserphasen einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung leistet. 2. Schutz vor Wasser Zunehmende Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser und steigende Meeresspiegel erfordern eine intensivere Vorsorge. Der Masterplan setzt daher auf ein integriertes Risikomanagement, um Schäden zu minimieren und die Sicherheit für Bevölkerung, Infrastruktur und Natur deutlich zu erhöhen. 3. Schad- und Nährstoffe reduzieren Viele Gewässer sind durch Einträge von Nährstoffen und Schadstoffen belastet. Der Masterplan stärkt deshalb den GewässerDüren: Abwasser wird zur Wärmequelle Die Stadtwerke Düren (SWD), der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und die Glashütte Düren beabsichtigen, gemeinsam eine innovative, nachhaltige Wärmeversorgung für ein Wohnquartier (Glashüttenstraße) aufzubauen und zu betreiben. Als Wärmequelle soll dabei das zwischen 15 und 30 °C warme Abwasser im Hauptsammler des WVER genutzt werden, der in unmittelbarer Nähe des Glashüttengeländes verläuft. Die bislang ungenutzte Wärme des Abwassers soll künftig über die vom WVER im neuen Abwasserkanal eingebauten Wärmetauscher gewonnen, im Heizwerk der SWD auf dem Gelände aufgenommen und anschließend in ein vom Eigentümer der Glashütte errichtetes Wärmenetz eingespeist werden. Auf über 32 000 Quadratmetern vermieteter Fläche bestehend aus Büro-, Gewerbe- und Serviceflächen arbeiten derzeit täglich über 1500 Menschen im Glashüttenquartier. Die Wärmeversorgung der Glashütte Düren soll in zwei Bauabschnitten realisiert werden. In einer ersten Phase werden die Bereiche erschlossen, in denen bereits heute zahlreiche Unternehmen und Betriebe ansässig sind und Wärme für Büroräume wie Werkstatthallen benötigen. In einer zweiten Phase soll der sich noch in Entwickelung befindende Bereich der früheren Glashütten saniert und wärmeseitig angebunden werden. Die Investitionssumme für das gemeinsame Projekt liegt nach derzeitiger Planung bei rund fünf Millionen Euro. Davon tragen die Stadtwerke Düren rund 60 Prozent, WVER und die Glashütte jeweils rund 20 Prozent. Das Vorhaben wurde bereits in der Planungsphase durch die Bundesregierung gefördert und soll auch in der Umsetzungsphase rund zwei Millionen Euro an Fördermittel erhalten. Die Inbetriebnahme des Wärmenetzes ist nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2028 vorgesehen. a Pilotprojekt „Kompostierungsanlage mit Wärmerückgewinnung“ Bei der Stadtwirtschaft Ohrdruf wurde das Pilotprojekt einer Kompostierungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingeweiht. Das Thüringer Umwelt- und Energieministerium hatte das Projekt in den beiden vergangenen Jahren aus Mitteln der Förderprogramme „Klima Invest“ und „Thüringer Wärmeoffensive“ mit mehr als 400 000 Euro unterstützt. Die Anlage soll ab September in den Vollbetrieb gehen. Sie beheizt den Gesamtgebäudekomplex der Stadtbetriebe Ohrdruf. Dort wurden bisher rund 280 000 kWh pro Jahr Gas verbraucht. Dieser Verbrauch reduziert sich um bis zu 85 Prozent. Die Wärmenergie wird in dem Projekt aus der Verrottung von Biomasse gewonnen. Bei der Kompostierung entstehen Temperaturen von bis zu 60 °C, die über Rohrsysteme und eine Wärmepumpe auf das notwendige Temperaturniveau für die Wärmeversorgung gehoben und zur Gebäudeversorgung genutzt werden. a Trocknung mit überhitztem Wasserdampf – strombasiert und energieeffizient Mit einem neuen Ansatz wollen Forschende am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Zusammenarbeit mit Industriepartnern den Trocknungsprozesse dekarbonisieren: Statt Heißluft verwenden sie überhitzten Wasserdampf bei Atmosphärendruck. Kombiniert mit einer Wärmepumpe und einer smarten Steuerung, spart das Heißdampftrocknungsverfahren deutlich Energie und vermeidet den Einsatz von Erdgas, so Fraunhofer IGB. So wollen die Partner durch die Nutzung von strombasiertem Heißdampf (überhitztem Wasserdampf) den Energiebedarf für das Trocknen um den Faktor 2 bis 4 senken – je nach Trocknungsart und Temperaturniveau. Möglich sei der Einsatz der Heißdampftechnologie in verschiedenen Trocknern wie Band-, Trommel- oder Sprühtrocknern. a IKT und PIA vom EisenbahnBundesamt als Prüfstelle für dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen benannt Hersteller dezentraler Niederschlagswasserbehandlungsanlagen können die Reinigungsleistung ihrer Systeme für den Einsatz an Bahnanlagen beim IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur und vom PIA – Prüfinstitut für Abwassertechnik prüfen lassen. Das geht aus der „Fachinformation für die Entwässerung von Bahnanlagen“ des Eisenbahn-Bundesamts vom Juni 2026 hervor. Niederschlagswasser von Bahnanlagen stellt die Behandlungstechnik auf eine besondere Probe: Wo auf Gleisflächen

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/KA Spektrum 702 lyse über die Planung von Schutzmaßnahmen bis hin zur Warnung der Bevölkerung. Sensoren liefern Pegel- und Niederschlagsdaten in Echtzeit. Datenplattformen führen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen. Mittels Urbanen Digitalen Zwillingen – datenbasierte 3D-Modelle der Stadt – lässt sich simulieren, welche Straßen, Gebäude oder Infrastrukturen bei Starkregen besonders gefährdet sind. Dadurch können Kommunen Risiken besser bewerten, Maßnahmen gezielter planen und Einsatzkräfte im Ereignisfall wirksam unterstützen. Anhand von fünf Praxisbeispielen aus den Modellprojekten Smart Cities zeigt die Studie, wie Kommunen digitale Technologien bereits einsetzen: › Berlin und Dresden nutzen digitale Modelle und Simulationen, um Starkregenabflüsse sichtbar zu machen und blau-grüne Infrastruktur wie Parks, Retentionsräume und Versickerungsflächen gezielt zu planen. › Der Eifelkreis Bitburg-Prüm verbessert mit Sensoren die Datengrundlage an kleineren Fließgewässern und entwickelt ein KI-gestütztes Frühwarnsystem. › Solingen setzt auf Umweltsensoren und digitale Kommunikationswege, um die Bevölkerung bei Extremwetterereignissen gezielt zu informieren. › Der Landkreis Hof nutzt einen digitalen Zwilling, um Hochwasserrisiken sichtbar zu machen, und bündelt Daten, Analysen und Fachwissen in einer Beratungsstelle für seine 27 kreisangehörigen Kommunen. Download der Studie: www.gfa-news.de/gfa/webcode/ 20260814_007 a Mecklenburg-Vorpommern stellt Klimaanpassungsstrategie vor Nach einem einjährigen Erarbeitungsprozess verfügt Mecklenburg-Vorpommern erstmals über eine landesweite Klimaanpassungsstrategie. Sie legt den verbindlichen Handlungsrahmen fest, wie Klimarisiken künftig bei politischen Entscheidungen, Planungen und Investitionen systematisch berücksichtigt werden. Die Klimaanpassungsstrategie setzt das Klimaverträglichkeitsgesetz des Landes um und bildet eine Ergänzung zum Klimaschutz. Mit der Klimaanpassungsstrategie verändert Mecklenburg-Vorpommern die Art und Weise, schutz und zielt auf eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität ab. Dazu gehört auch die weitere Umsetzung der Gewässerrandstreifen im Rahmen des Niedersächsischen Wegs. Zudem ist ein neues Programm mit Landwirtschaft und Umwelt zur ökologischen Aufwertung dieser Streifen an Gewässern in Höhe von 10 Millionen Euro jährlich geplant. https://www.umwelt.niedersachsen.de/ startseite/themen/wasser/masterplan_ wasser a Evidenzbasierte Entscheidungshilfe für naturbasierte Lösungen Mit dem EU-Projekt Invest4Nature wollen 15 Forschungseinrichtungen zu einer verbesserten Datenbasis und zur Entwicklung eines Marktes für naturbasierte Lösungen beitragen. Die Partner des Projekts haben eine neue Online-Toolbox vorgestellt, die Kommunen, Investoren und Fachleuten dabei helfen soll, die Kosten, den Nutzen und das Investitionspotenzial naturbasierter Lösungen zu bewerten. Durch die Unterstützung einer evidenzbasierten Entscheidungsfindung beseitigt die „NbS Decision Support (DS) Toolbox“ eines der größten Hindernisse für die Verbreitung naturbasierter Lösungen: den Nachweis ihres Werts gegenüber Investoren und Entscheidungsträgern. Naturbasierte Lösungen (NbS) wie beispielsweise Stadtbegrünung, Renaturierung von Feuchtgebieten und nachhaltige Waldbewirtschaftung können Vorteile für die Biodiversität, das Klima und die Gesellschaft bieten. Investitionsentscheidungen werden jedoch häufig durch begrenzte Kenntnisse zu Kosten, Nutzen und finanzieller Leistungsfähigkeit behindert. Mithilfe einer Kosten-Nutzen-Analyse, Leistungsbewertung und daraus resultierenden Empfehlungen können Anwender die wirtschaftlichen Kosten und Nutzen abschätzen und auf evidenzbasierte Empfehlungen zugreifen, die auf der integrierten Invest4Nature-Evidenzdatenbank beruhen. https://invest4nature.eu/results/ nbs-ds-toolbox a Bundesrat stimmt InfrastrukturZukunftsgesetz zu Die Bundesländer haben am 10. Juli 2026 den Weg für das Infrastruktur-Zukunftsgesetz freigemacht. Mit dem Gesetz sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren wichtiger Infrastrukturvorhaben effizienter gestaltet und beschleunigt werden. Bevorzugt behandelt werden unter anderem systemrelevante Wasserstraßen und Schifffahrtsanlagen sowie Maßnahmen des Hochwasser- und Küstenschutzes. Auf diese Weise könnten mit den vorhandenen Mitteln mehr Projekte umgesetzt und steigende Kosten reduziert werden, so die Bundesregierung, auf die das Gesetz zurückgeht. Das Gesetz sieht vor, zentrale Infrastrukturvorhaben aufgrund ihrer erheblichen Bedeutung für die öffentliche und militärische Sicherheit zu priorisieren, indem sie dem überragenden öffentlichen Interesse zugeordnet werden. Darüber hinaus wird gesetzlich klargestellt, dass solche Projekte der öffentlichen Sicherheit dienen. Das Gesetz enthält auch Regelungen, um die Vorgaben des Natur- und Umweltschutzes einfacher umzusetzen. So stehen für Vorhaben des überragenden öffentlichen Interesses künftig drei gleichrangige Möglichkeiten zur Verfügung: Ausgleich, Ersatz oder Ersatzgeld. Außerdem werden Umweltverträglichkeitsprüfungen reduziert, beispielsweise bei Linienbestimmungsverfahren für Bundesfernstraßen oder bei Erneuerungen von unselbständigen Brückenteilen, wenn diese deren Erhaltung dienen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesetzes ist die Digitalisierung. So sollen Planfeststellungsverfahren künftig vollständig digital durchgeführt werden. Die Übergangsfrist für digitale Verfahren im Verwaltungsverfahrensgesetz wurde um ein Jahr auf den 31. Dezember 2027 verkürzt. Nachdem nun der Bundesrat dem Gesetz zugestimmt hat, kann es ausgefertigt und verkündet werden. Es tritt zum überwiegenden Teil am Tag nach der Verkündung in Kraft. a BBSR-Studie: Digitale Lösungen verbessern die Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen Digitale Technologien können Kommunen dabei unterstützen, Risiken von Hochwasser und Starkregen frühzeitig zu erkennen, Vorsorgemaßnahmen gezielt zu planen und im Ernstfall schneller zu handeln. Das zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Danach können digitale Werkzeuge Kommunen entlang des gesamten Vorsorgezyklus unterstützen: von der Risikoana-

a Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2026 (73) · Nr. 9 | www.dwa.info/Zeitschriften Spektrum 703 wie künftig geplant, gebaut, investiert und gefördert wird. Die Strategie schafft erstmals einen verbindlichen und ressortübergreifenden Handlungsrahmen. Klimarisiken sollen künftig bei staatlichen Entscheidungen nicht nachträglich bewertet, sondern von Beginn an in Planungen, Investitionen und Förderentscheidungen berücksichtigt werden. Sie dient den Ressorts der Landesregierung, den Landesbehörden sowie öffentlichen Planungsträgern als gemeinsame Grundlage und bietet zugleich Kommunen Orientierung für Bauleitplanung, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und Gesundheitsvorsorge. Die Strategie umfasst 20 Handlungsfelder in fünf Themenclustern. Mehr als 60 Fachleute aus sieben Ministerien und mindestens acht Landesbehörden haben sie erarbeitet. Als erstes Bundesland verankert MecklenburgVorpommern Moore als eigenständiges Handlungsfeld der Klimaanpassung. a TU Graz entwickelt kühlende Keramikwand gegen urbane Hitze Eine energieeffiziente Lösung für Hitzeinseln in der Stadt präsentiert das Institut für Architektur und Medien der TU Graz: 3D-gedruckte Würfel aus hochporöser Keramik. Die Keramikwürfel eignen sich sowohl zur Kühlung von Innenräumen als auch der Umgebungsluft im Freien. Die Würfel nutzen ein physikalisches Prinzip, das besonders in heißen und trockenen Regionen der Erde bestens bekannt ist: die Verdunstungskühlung. Den entscheidenden technologische Fortschritt jetzt sieht die TU Graz im Einsatz des 3DDrucks, mit dem hochkomplexe, poröse und funktionsoptimierte Geometrien aus Tongemischen hergestellt werden. Diese speziellen Strukturen speichern Wasser besonders effizient und schaffen bei geringem Volumen eine große Verdunstungsoberfläche. Die Würfel mit einer Seitenlänge von rund 23 Zentimetern werden digital entworfen und im 3D-Druck aus einer keramischen Tonmischung gefertigt. Um die Kühlleistung weiter zu steigern, experimentiert das Team im institutseigenen „Shape Lab“ mit bio-inspirierten Ansätzen. Dem Ton werden Pilzkulturen sowie Holzspäne als Nährmedium beigemengt. Das Myzel – das fadenförmige Pilzgeflecht – wächst in das Material hinein und bildet ein feines Netzwerk. Das Ton-Pilz-Gemisch wird 3D-gedruckt und gebrannt. Pilzmyzel und Holzspäne verbrennen und hinterlassen ein Netzwerk aus Mikro- und Makroporen, durch das sich das Wasser im Inneren des Würfels besonders gut verteilen kann. Das Team probiert auch andere neu entwickelte Materialmischungen aus. Ein Fokus liegt auf Schlamm aus dem Neusiedler See, der regelmäßig abgebaggert werden muss, um die Verlandung des flachen Gewässers zu bremsen. Bislang wurde der Seeschlamm größtenteils ungenutzt entsorgt. Künftig könnten diese Sedimente als nachhaltiges Baumaterial aus dem 3D-­ Drucker in ressourcenschonende Bauprozesse integriert werden. a Bayern: Neues Förderprogramm zur Unterstützung der Kommunen bei Klimaschutz und Klimaanpassung In Bayern ist die Neuauflage der Förderrichtlinie Kommunaler Klimaschutz – KommKlimaFöR 2026 – in Kraft getreten. Mit dem neuen Förderprogramm sollen beispielsweise natürliche Beschattungen für öffentliche Plätze, Klimawälder, Klimaparks, Dachbegrünungen, klimafreundliche Wasseranlagen zur Kühlung der Umgebung und einfache Systeme zur Regenwassernutzung wie Zisternen gefördert werden. Im aktuellen Haushaltsjahr hat der Bayerische Landtag dem Umweltministerium für die KommKlimaFöR rund 9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die vorgesehene Förderobergrenze liegt bei 200 000 Euro. Die KommKlimaFöR wurde erstmals im Jahr 2019 aufgelegt. Seit Beginn wurden insgesamt über 45 Millionen Euro Fördermittel für inzwischen rund 460 kommunale Klimaschutzprojekte bewilligt. https://www.verkuendung-bayern.de/ baymbl/2026-303 https://foerderung.bayern.de a Neue Studie zeigt: Viele Bauabfälle könnten vermieden werden Beim Bauen entstehen große Mengen Abfall, doch ein erheblicher Teil davon wäre vermeidbar. Eine neue Studie vom Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb der TU Braunschweig zeigt: Nicht erst die Entsorgung auf der Baustelle entscheidet über die Mengen und Qualitäten der Bauabfälle. Bereits bei Planung, Materialbestellung, Transport und Lagerung werden wichtige Weichen gestellt. Das vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Rahmen des Innovationsprogramms Zukunft Bau geförderte Forschungsprojekt „Zero Waste Baulogistik“ hat untersucht, wie Bauabfälle entstehen, warum sie anfallen und wie sie sich reduzieren lassen. Die Ergebnisse zeigen konkrete Möglichkeiten, um Rohstoffe effizienter einzusetzen und gleichzeitig Kosten und Umweltbelastungen zu senken. Für die Studie untersuchte das Forschungsteam zehn Baustellen der Praxispartner von Gebäuden unterschiedlicher Nutzungsarten. Die Untersuchung zeigt, dass Abfälle selten durch unbrauchbare Materialien entstehen, sondern vielmehr durch Verschnitt, unnötige Verpackungen, falsche Lagerung, Transportschäden oder Fehler bei der Ausführung. Die Studie zeigt verschiedene Ansätze, mit denen Bauabfälle reduziert werden können. Dazu gehören eine bessere Planung und Abstimmung von Materiallieferungen, wiederverwendbare Transport- und Verpackungslösungen sowie vorgefertigte Bauteile, um weniger Material zuschneiden und entsorgen zu müssen. Eine bessere Sortierung von Bauabfällen reduziert die Entsorgungskosten und ermöglicht eine hochwertige Verwertung. Download des Transferberichts (Kurzfassung) und des Abschlussberichts: www.gfa-news.de/gfa/webcode/ 20260814_017 a BAM und TU Berlin: Joint Institute für Verfahrenstechnik gegründet Die Abteilung Prozess- und Anlagensicherheit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und das Fachgebiet Dynamik und Betrieb technischer Anlagen der TU Berlin haben das Berlin Joint Institute for Plant Safety and Process Engineering eröffnet. Die gemeinsame Forschungsplattform soll verfahrenstechnische Anlagen künftig sicherer, nachhaltiger und effizienter machen – vom digitalen Modell über Pilotanlagen bis zum Großversuch im Realmaßstab. Das Joint Institute verbindet zwei Disziplinen, die bislang meist getrennt betrachtet werden: die Systemverfahrenstechnik mit Fokus auf Auslegung, Betrieb und Optimierung verfahrenstechnischer Anlagen sowie die Prozess- und Anlagensicherheit. a

Vorteile einer DWA-Mitgliedschaft www.dwa.de Kostenlos  Eine der beiden monatlich erscheinenden Verbandszeitschriften – KA Korrespondenz Abwasser, Abfall inkl. der Beilage Betriebs-Info (4 x jährlich) oder – KW Korrespondenz Wasserwirtschaft inkl. der Online-Version der Gewässer-Info als Printversion, Online unter www.dwa.de/direkt und mobil als App. Zusätzliche Exemplare oder die zweite Verbandszeitschrift gibt es zu günstigen Konditionen.  DWA-Branchenführer Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall  Mitgliederbereich im Internet – KA oder KW online lesen – KA oder KW mit der App DWApapers and more (iOS und Android) lesen – Literaturdatenbank – Fachwörterbücher in vielen Sprachen – Mitgliederverzeichnis – Arbeitsberichte und Fachinformationen  DWA-Jahrbuch (auf Anforderung) Ermäßigt  Fort- und Weiterbildungsangebote Als Mitglied der DWA und der European Water Association (EWA), des BWK und der Partnerverbände in der Schweiz (VSA, SVW) und Österreich (ÖWAV) Zusätzlich für fördernde Mitglieder Kostenlos  Option, das Logo "Mitglied in der DWA" im Firmen-Briefbogen zu nutzen (www.dwa.de/direkt) Ermäßigt  20 % Ermäßigung beim Erwerb des DWA-Regelwerks und vieler weiterer DWA-Publikationen  Fort- und Weiterbildungsangebote für alle Mitarbeiter  Ermäßigungen für Aussteller bei vielen DWA-Tagungen und ausgesuchten Messen  Teilnahme an den DWA-Erfahrungsaustauschen für Kommunen oder Ingenieurbüros  50 % Ermäßigung auf den Mitgliedsbeitrag für Anmeldungen von Niederlassungen, wenn der Hauptsitz bereits Mitglied ist  Günstige Konditionen für eine Umwelt-Strafrechtsschutzversicherung für Kommunen, Kreisverwaltungen und Abwasserzweckverbände Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) Theodor-Heuss-Allee 17 · 53773 Hennef Telefon: 02242 872-123 · Fax: 02242 872-200 mitgliederservice@dwa.de · www.dwa.de Weitere Informationen zu einer Mitgliedschaft finden Sie unter www.dwa.de/ mitgliedschaft 11/2018

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