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30.08.2018

Trockener Sommer: Dürre betraf 90 Prozent der Fläche

Die Dürre in Deutschland war flächendeckend. Seit Februar herrscht landesweit eine ungewöhnliche Trockenheit. Im August waren rund 90 Prozent der Fläche Deutschlands unter Dürre. Der Vier-Monats-Zeitraum April bis Juli 2018 war der wärmste in Deutschland seit Aufzeichnungsbeginn. Wie sich Temperatur und Niederschlag in Deutschland und Europa bis Mitte August 2018 entwickelten, wie Hitze und Trockenheit meteorologisch zu erklären und historisch einzuordnen sind und welche Folgen sie für Mensch und Natur nach sich ziehen, hat die interdisziplinäre Forensic Disaster Analysis (FDA) Group am CEDIM (Center for Diaster Management and Risk Reduction Technology) des KIT analysiert und in einem soeben erschienenen Report „Dürre & Hitzewelle Sommer 2018 (Deutschland)” festgehalten. Danach fielen nach einem nassen Januar die Monate Februar bis Juli 2018 extrem trocken aus: Insgesamt kamen in diesem Sechs-Monats-Zeitraum deutschlandweit gemittelt nur knapp 61 Prozent der üblichen Regenmenge zusammen. Das Saarland war mit 80,5 Prozent der Norm vergleichsweise gut beregnet; Sachsen-Anhalt erreichte mit 52 Prozent den schlechtesten Wert. Allerdings zeigt ein Blick in die Geschichte, dass der Sechs-Monats-Zeitraum Februar bis Juli in den Jahren 1921 und 1976 im deutschlandweiten Flächenmittel jeweils noch trockener verlief als 2018. Die ab Februar 2018 herrschende Trockenheit verschärfte sich mit den steigenden Temperaturen und führte zu einer Dürre, die bis August immer größere Ausmaße erreichte. Im Report des CEDIM ist agrarische Dürre basierend auf der Bodenfeuchteverteilung im Zeitraum 1951 bis 2015 klassifiziert. Entwickelt wurde diese Klassifizierung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig, das in seinem „Dürremonitor Deutschland” die jeweils aktuelle Bodenfeuchte berechnet. Dürreklasse 4 - „außergewöhnliche Dürre”, die trockenste Klasse - bedeutet, dass der aktuelle Bodenfeuchtewert nur in zwei Prozent der langjährigen Simulationswerte und damit statistisch nur alle 33 Jahre unterschritten wird, bei Dürreklasse 3 sind es fünf Prozent, bei Dürreklasse 2 zehn Prozent und bei Dürreklasse 1 20 Prozent. Am 14. August 2018 waren 89 Prozent der Fläche Deutschlands unter Dürre. Diese erreichte damit eine wesentlich größere Ausdehnung als im Jahr 2003, in dem maximal 74 Prozent der Fläche unter Dürre waren. Trotz der insgesamt äußerst geringen Niederschlagsmengen gab es 2018 auch Tage, an denen heftige Gewitter vielerorts große Regenmengen brachten und örtlich auch erhebliche Schäden anrichteten. Der aktuelle Report des CEDIM führt die Hitze und Trockenheit 2018 auf ein monatelang dominierendes großräumiges Strömungsmuster über Europa zurück, das sich in beständigem Hochdruck vor allem über dem Norden des Kontinents äußerte. Trotz einiger Variationen den Frühling und Sommer über regenerierte sich dieses Strömungsmuster in seinen Grundzügen immer wieder. Bei einer solchen blockierenden Großwetterlage gelangen atlantische Tiefdruckgebiete mit kühler, wolkenreicher Luft und Niederschlägen nur äußerst selten nach Mitteleuropa.

Webcode: 20180830_001