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13.09.2017

US-Ostküste drohen häufigere Überschwemmungen

Der Ostküste der Vereinigten Staaten drohen in Zukunft immer häufiger Überschwemmungen. Grund ist aber nicht eine Zunahme von Wirbelstürmern, sondern ein stetig absinkender Boden. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn, South Florida und Rhode Island. Das internationale Team hat Daten von der amerikanischen Ostküste ausgewertet, darunter aus GPS- und Satellitenmessungen. Diese zeigen, dass weite Teile der Küstenregion langsam, aber stetig im atlantischen Ozean versinken. Besonders gefährdet sind demnach die Bundesstaaten Virginia, North Carolina und South Carolina. Ihre Küstengebiete tauchen um bis zu drei Millimeter pro Jahr ab - unter anderem aufgrund menschlicher Eingriffe. Die Folge sind Überflutungen, teilweise sogar an sonnigen und relativ windstillen Tagen. Sie richten Schäden an Häusern und Straßen an und stören den Verkehr, kosten aber keine Menschenleben. In den USA werden sie als „nuisance floodings” bezeichnet - lästige Überschwemmungen. Für das Absinken des Bodens führen die Wissenschaftler zwei Gründe an. In der letzten Eiszeit vor rund 20 000 Jahren waren weite Teile Kanadas von einem Eispanzer überzogen. Diese ungeheure Masse presste den Kontinent in die Tiefe. Dabei wurde der Erdmantel unter dem Eis teilweise zur Seite gedrückt, wodurch sich die eisfreien Küstenregionen anhoben. Als dann die Gletscher schmolzen, kehrte sich dieser Prozess um. Seit etwa 10 000 Jahren sinkt die Ostküste daher wieder ab. Dieser geologische Effekt erklärt das Abtauchen der Küstenregion aber nur zum Teil. Zwischen dem 32. und 38. Breitengrad geht es seit einigen Jahrzehnten deutlich schneller in die Tiefe als in den Jahrtausenden zuvor - um teilweise mehr als drei Millimeter pro Jahr. Das Abschmelzen des Eispanzers ist höchstens für ein Drittel davon verantwortlich. Hauptursache ist hier nach Annahme der Wissenschaftler die massive Nutzung von Grundwasser in dem entsprechenden Gebiet. Denn Wasser lässt die Landmasse gewissermaßen aufquellen - ähnlich wie Kohlendioxid-Bläschen den Kuchenteig. Wenn Grundwasser entnommen wird, lässt sich die Landmasse stärker komprimieren. Sie fällt quasi in sich zusammen und sinkt dadurch noch stärker ab. Die Millimeterzahlen addieren sich im Zeitablauf. Viele Städte an der US-Ostküste wurden Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet. Heute liegen sie allein aufgrund des Gletscher-Effekts mindestens 45 Zentimeter niedriger als damals. In den letzten Jahren versinken sie aufgrund der Grundwasser-Entnahme mancherorts sogar wesentlich schneller. Dazu kommt der steigende Meeresspiegel aufgrund der Klimaerwärmung, ein Effekt, der sich inzwischen ebenfalls auf mehr als drei Millimeter pro Jahr beläuft und für weitere 15 Zentimeter landunter gesorgt hat. Die Studie „Nuisance Flooding and Relative Sea-Level Rise: the Importance of Present-Day Land Motion” wurde in der Fachzeitschrift Scientific Reports (DOI: 10.1038/s41598-017-11544-y) veröffentlicht.

Webcode: 20170913_001